Mittwoch, 29. april 2009 3 29 04 2009 07:52

Du hast mir den

Mond

gezeigt und seine

Gesichter hinter den

Wolken. Die

habe ich

mitgenommen und die

Nebel

aus Deinem

Haar. Jetzt

sind die

Goldfische Deine

Augen und spielen

Verstecken und ich

sehe

sie

so

selten.


 

aS 01/10/07

von fak - veröffentlicht in: Salzmann, Astrid - Community: Lebensalltag
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Dienstag, 28. april 2009 2 28 04 2009 07:50

 

Endlich mein

Leben von

heute bis

irgendwann

leben

 

Clown,

Segel auf

Kreuz gegen

den Wind,

Floh im Fell

meines Katers,

tragischer Traum

temporärer Trunkenheit

 

Mein

Leben

endlich

 

 

aS 17/07/08

von fak - veröffentlicht in: Salzmann, Astrid - Community: Sprache ist Macht!
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Montag, 27. april 2009 1 27 04 2009 07:52

 

Die Familie saß beim Abendbrot. Jo konnte den neuen Pappi immer noch nicht leiden. Sie beobachtete jede seiner Gesten und Blicke und fand immer etwas auszusetzen. Mal sah er sie zu streng an, Jo fand: sehr unfreundlich, mal beachtete er sie nicht. Nein, mit dem neuen Pappi konnte sie sich nicht anfreunden.

Der neue Pappi schob den Teller von sich und beugte sich über den Tisch.

„Also, erzähl mal, Jo – wie war es in Wiek auf Föhr? Stimmt es, das mit den Knüppeln?"

Sein Blick wurde streng. „Aber diesmal schwindelst du nicht! Sonst lernst du mich kennen!"

„Ja, Ehrenwort! Ich habe zweimal Keile gekriegt." Jo hob die Schwurhand.

Die Mutter warf ein: „Na, dann wirst du sie auch verdient haben!"

„Eben nicht. Ich war unschuldig, jedesmal. Ein Mädchen hat Keile gekriegt, weil sie ihre Nase nicht geputzt hatte. Und Mariechen fast jeden Tag, weil sie Bettnässerin war. So war das."

„Du bist immer unschuldig, wenn du erwischt wirst."

„Rita, lass mal", der neue Pappi grinste, „der Apfel fällt nicht weit vom Stamm."

„Na hör mal!" Die Mutter brauste auf. „Komm mir nicht so! Das ist, weil sie so lange bei meiner Mutter war. Da konnte sie tun und lassen, was sie wollte."

„Ich werde mich beschweren", sagte der neue Pappi, „das ist ja unglaublich, wie man in dem Sanatorium mit den kranken Kindern umgegangen ist. Die Schwestern, Rita, wenn du meine Meinung wissen willst, müssen KZ-Aufseherinnen gewesen sein. Die sind dort in Wiek untergekrochen. Na, das gibt einen ordentlichen Krach! Und die Gesichter, die will ich sehen!"

„Was war das eigentlich – ein KZ?"

„Ein KZ, Jo,", der neue Pappi wurde sehr ernst, „ein KZ, das war das Schlimmste, was sich ein Mensch vorstellen kann. Es waren Gefangenenlager, dort wurden Menschen getötet. Mit Absicht. Mit Hunger, Prügel und Gas. Wie Fliegen sind sie gestorben. Es war viel schlimmer als der Hunger und die Kälte in der Gefangenschaft in Russland, viel, viel schlimmer. Naja, und die Russen, denen ging es auch nicht gut, die hatten selbst gehungert. Und wir, wir Soldaten, Hitlers Soldaten, waren schuld daran."

„Aber dass sie Tante Heidelinde ..."

„Hör mir auf, Rita, mit Tante Heidelinde! Was meinst du, was wir Deutschen in Russland getan haben? Ich war im Kaukasus, glaub mir, fein waren wir auch nicht."

Die Mutter war beleidigt. „Du musst es ja wissen."

„Aber warum? Warum wurden dort Menschen getötet? In den KZs?"

„Jo, darüber kann man lange reden. Wegen der Kapitalisten. Sie haben zu Hitler gesagt, jetzt regier du mal, wir haben die Schnauze voll von den Arbeitern, und der hat sie in seine KZs gesteckt und ermordet."

„Wen?"

„Na, die Arbeiter. Und die Juden. Und die Polen. Und die Tschechen. Und die Italiener und Franzosen. Und die Rotarmisten. Alle. Alle waren seine Feinde. Die ganze Welt war sein Feind."

„Dann war dieser Hitler aber ein Mörder."

„Worauf du Gift nehmen kannst. Übrigens, Jo: Ab Herbst gehst du in der Pflugstraße zur Schule."

„Pflugstraße? Aber das ist doch im Russensektor!"

„Na und? Die Russen sind scharf auf kleine Mädchen wie dich, die braten sie am Spieß, und den Rest werfen sie den Schweinen vor. Du wirst dich schon zurechtfinden im Russensektor. Der Weg ist genausoweit wie zur Müllerstraße. Aber vorher, Jo – vorher verreist du. In ein FDJ-Ferienlager, an den Üdersee. Weißt du, wo das ist?"

„Nee. Ich kenn nur die Nordsee."

„Ich zeig ihn dir auf dem Atlas." Der neue Pappi schlug den Atlas auf und suchte. „Da ist er doch, der Üdersee. Der blaue Fleck, das ist er, der Üdersee. Bei Finowfurth. Schön ist es da, ich war da mal mit den Jungpionieren, in den zwanziger Jahren, im Zeltlager. Ihr schlaft auch in Zelten."

„Und was ist FDJ?"

„FDJler? Das sind große Jungs und große Mädchen. Die wollen jetzt, dass es keinen Krieg mehr gibt, früher wollten sie für Hitler sterben. Sie sind schon größer als du, du bist dort die Kleinste. Ich habe das durchgedrückt. Arbeiterkinder gehören an die frische Luft. Nächste Woche geht es los."

„Und wo ist die Nordsee? Zeig sie mir auf dem Atlas!"

„Was willst du noch mit der Nordsee? Hier, das Blaue, das ist sie."

Jo staunte. „Ooch, so groß ist das Meer, viel größer als der Üdersee. Aber am Meer war es schön."

„Am Üdersee ist es auch schön. Und Lebertran gibt es dort auch nicht."

„Dann fahre ich mit! Aber nur, wenn es keinen Lebertran gibt!"

„Rita, pack den Koffer, Jo will verreisen!" Der neue Pappi lachte. „Du bist mir vielleicht eine Marke! Schade, dass Veronika noch nicht mitdarf, die müsste auch mal an die frische Luft.

Aber, mein Fräulein: Benimm! Sonst wirst du zurückgeschickt. Und wenn du den großen Jungs die Hucke vollschwindelst – na, du weißt, was große Jungs dann mit dir machen, die legen dich übers Knie."

„Ach, da habe ich keine Angst. Ich kann schnell rennen! Außerdem war ich unschuldig. Damals in der Schule, wegen Herrn Wipprecht. Immer hacken alle auf mir rum."

„Zum Beispiel ich, Jo." Die Mutter räumte den Abendbrottisch ab. „Marsch, ins Bett!"

„Ich muss aber noch was sagen."

„So? Was denn?"

„Du bist nicht mehr der neue Pappi. Du bist jetzt ein richtiger Pappi."

„Und wie komme ich zu dieser Ehre?"

Jo sah den Pappi zweifelnd an. „Bist du Kommunist? Ingo sagt, du bist eine rote Kommunistensau. Und ich auch. Was ist das, Kommunist?"

„Tja, Kind, wenn ich dir das erklären könnte."

„Erklär es mir, bitte."

„Eine schwierige Frage." Der Pappi schmunzelte. „Kommunist, Jo, wird einer, der nicht will, dass Kinder hungern müssen oder im Bombenkeller ersticken oder immer im Hinterhof spielen und niemals verreisen können. Kinder sollen lachen können. Und nicht weinen müssen. Und immer soll Frieden auf der Welt sein. Und KZs soll es auch nie mehr geben. Deshalb bin ich Kommunist geworden." Er wurde wieder sehr ernst. „Damit es nie wieder Krieg gibt. Besonders deshalb."

„Hm. Und da können dich die anderen nicht leiden?"

Der Pappi lachte. „Auf den Tod nicht! Die würden mich am liebsten aufhängen! Und deinem Ingo kannst du sagen, wenn er noch mal rote Kommunistensau zu dir sagt, kriegt er es mit mir zu tun."

„Ich sag dir’s, wenn er es wieder sagt. Pappi!" Und Jo gab dem Pappi endlich den Kuss, auf den er so lange hatte warten müssen.

*

Die Woche verging schnell. Ein paarmal geschlafen – schon war der Koffer gepackt, und Jo verreiste, an den Üdersee, zu den Großen ins FDJ-Zeltlager, die zweite große Reise in ihrem Leben.

Pappi brachte sie zum Ostbahnhof. Ein paar LKWs standen bereit. FDJler in blauen Blusen hockten auf ihren Rucksäcken und Koffern, sie sangen. Andere bildeten einen Kreis, fassten sich an die Hände und gingen in die Hocke: „Laurenzia, liebe Laurenzia mein ..."

Plötzlich ein Pfiff. „Auf die LKWs! Los geht’s! Beeilung!" Alles stürmte die LKWs. Pappi hob Jo hoch. Ein FDJler nahm sie in Empfang: „Was willst denn du Würmchen? Doch nicht etwa mitkommen?" Jo war beleidigt, sie zeigte dem FDJler die Zunge.

Eine FDJlerin fragte sie, wie alt sie sei. „Schon sieben!" Die FDJlerin lachte. „Na, dann bist ja groß genug, deinen Koffer selbst zu tragen."

Der andere FDJler mischte sich ein: „Ich nehm deinen Koffer. Aber die Zunge, die nimmst du zurück. Ich kann sonst sehr ungemütlich werden. Ich bin hier schließlich Org.-Leiter."

„Jo, Jo", der Pappi rannte ein Stück hinter dem LKW her, „schreib uns, ein paar Ansichtskarten! Und bade, soviel du kannst!" Jo sah ihn winken und winken und schrie etwas zurück. Dann bog der LKW um die Ecke.

von fak - veröffentlicht in: Fleiss, Hanna - Community: Mehr menschlichkeit
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