Sonntag, 22. juni 2008

10. Elegie: ursprünglich Gedicht in Distichen

                                                                                                             (Goethe, Römische Elegien)

            Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste!

                        Straßen, redet ein Wort! / Genius regst du dich nicht?

            Ja es ist alles beseelt in deinen heiligen Mauern,

                        Ewige Roma; nur mir / schweiget noch alles zu still.

            O wer flüstert mir zu, an welchem Fenster erblick ich

                        Einst das holde Geschöpf, / das mich versengend erquickt?

            Ahn ich die Wege noch nicht, durch die ich immer und immer

                        Zu ihr und von ihr zu gehen, / opfre die köstliche Zeit?

           

 

Special zu Elegie (und Ode): (nach Brockhaus Enzyklopädie, Ergänzungen aus Best, Handb.          literarischer Fachbegriffe)

 

Elegie, v. griech. élegos, Trauergesang (mit Aulosbegleitung [schalmeienart. Instrument])

            Gedichtart in Distichen, zuerst verwendet von Archilochos (7. Jh. vuZ.); Inhalt: allgemein       moralisch; Kriegslied: Kallinos, Tyrtaios; polit. Gedicht: Solon, Theognis in alexandrini­     scher Zeit: Phanokles, Philetas, Kallimachos; in abendländischer Überlieferung bedeutsa­           mer römische Oden: Ovid (Tristitia), Catull, Tibull, Properz; sie legten wehmütigen      Grundton der neueren Elegien fest: Klage über Trennung, Tod, Verlust, Sehnsucht nach             Unerreichbarem; humanistische Dichtung übernahm antike Form: in Frankreich: Villon,           Marot, de Ronsard; in Deutschland: auf Empfehlung von Opitz Distichen durch gereimte     Alexandriner ersetzt, nicht Form sondern Klage, wehmütiger Ton bestimmend; Klopstock,       in antiker Form Hölty, v.Matthisson; in der Goethezeit gespannt zwischen Idyllischem       und Erotischem: Goethe (Römische Elegien, in Distichen; Marienbader Elegie); Streben     nach Ideal: Schiller; Erkenntnis der Unvereinbarkeit von Ideal und Wirklichkeit:   Hölderlin (Griechenland, Brot und Wein); im 19. Jahrhundert: Platen, Rückert, Mörike,         Grillparzer (Tristia ex ponto), Geibel, v. Saar (Wiener Elegie); im 20. Jahrhundert: Rilke       (Duineser Elegien), Celan; Gesangstücke lyrisch-wehmütigen, sehnsüchtig-klagenden           Inhalts: Schubert, Beethoven, Brahms; auch bei Instrumentalstücken: Liszt, Bartók,          Strawinsky u.a. – elegisch: 1. Elegie betreffend¸ 2. wehmütig, voll Schwermut

 

Ode, v. griech. ode, Gesang, Lied; in griechischer Antike Sammelbegriff für alle zu Musik       vorgetragene strophische Dichtung, so Chorlieder in der Tragödie und Chorlyrik, v.a. Pin­           dars, letztere ohne feste Strophenformen, im lyrischen Einzelgesang (Monodie) hingegen         feste Odenmaße (nähere Erläuterungen siehe unten): alkäische Strophe, asklepiadeische         Verse (Asklepiades), adonischer Vers, sapphische Strophe; römische Literatur: v.a. Ho­   raz deutsche :Literatur: Opitz, Fleming, Gryphius, Klopstock entscheidenden Schritt in             der As­similation: Rhythmisierung des deutschen Verses nach Worttakten in Einklang mit            der des antiken Verses nach Quantitäten, darüber hinaus schuf er neue Strophenformen bis         hin zu freien Rhythmen (Die Frühlingsfeier, Der Zürchersee); in Klopstocks Nachfolge,            nicht mehr eindeutige Terminologie und Abgrenzung zur Hymne; Lyrik des jungen Goethe             in freien Rhythmen; 2. Höhepunkt in deutscher Dichtung: Hölderlin (An die Parzen,   Abendphantasie); im 19. Jahrhundert: Platen , horazische Originalformen; Neubelebung            im 20 Jahrhundert: Borchardt, Jünger, Weinheber

 

Ergänzungen zu Elegie:

alkäische Strophe: (nach Alkaios) Vierzeiler; zwei elfsilbige, ein neunsilbiger und ein zehn­      silbiger Vers (Beispiele: Klopstock, Hölderlin)

archilochische Strophe: (nach Archilochos) aus zwei Distichen oder Verbindung von Her­     xameter und Tetrameter

asklepiadeische Verse (Asklepiades): Vierzeiler, zwölfsilbige Asklepiade, siebensilbiger      Pherekrateus und achtsilbiger Glykoneus; zumeist: a) zwei Asklepiadeen, ein Pherekrateus    und ein Glykoneus; b) drei Asklepiadeen und ein Glykoneus als Endvers

sapphische Strophe: Vierzeiler, drei sapphische Elfsilber () und ein Ado­neus (Dipodie aus     Daktylus un Trochäus: l - k - k / l - k)

 

11. Elision: (E., gr. Herausstoßung) Ausstoßung im Wortinneren zwischen zwei Konsonan­     ten zur Ausspracheerleichterung respektive der Metrik zuliebe, z.B.: meint’ ich statt   meinte ich

 

12 Ellipse: (E., gr. Auslassung) Auslassen von Satzgliedern, ohne daß Zusammenhang ge­       stört wird, besonders bei ekstatischem Sprechen (Sturm und Drang. Expressionismus)

                                                                                                                                          (Goethe)

            Ja, alles flieht mich nun. Auch du! Auch du!

 

13. Enjambement: s. Brechung

 

14. Haiku (Hokku): japan. Kettengedicht, 17 Silben in 3 Zeilen mit Silbenvertei­lung 5, 7, 5

                                                                                                                             (Matsuo Bascho)

            Der uralte Teich.

            Von dem Laubfroschsprung erzeugt:

            Wasser-plitsch-platsch-laut.

 

15. Knittel/Knüttelvers: vierhebiger, paarweise gereimter Vers mit männlicher Kadenz

                                                                                     (Goethe, Jahrmarktsfest zu Plundersweilern)

            Werd’s rühmen und preisen weit und breit

            Daß Plundersweilern dieser Zeit

            Ein so hochgelahrter Doctor ziert

            Der seine Collegen nicht kujonirt.

            Habt Dank für den Erlaubnißschein,

            Hoffe ihr werdet zugegen seyn

            Wenn wir heut Abend auf allen Vieren

            Das liebe Publikum amüsiren.

            Ich hoff’ es soll euch wohlbehagen

            Geht’s nicht von Herzen, so geht’s vom Magen.

 

16. Limerick: volkstüml., einstrophiges Gedicht komischen Inhalts, 5 Verse, Reimschema aa             bb a, Endzeile bringt meist groteske bis unsinnige Wendung

                                                                                                                                    (Carl Peiser)

            Stets trug nur ein Tuch statt des Wamses,

            Auch bei Regen, der selige Ramses.

                        Der Arzt warnt ihn sehr,

                        Doch er fand kein Gehör,

            Zuletzt sprach er nur: „Da ham Se’s!“

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