Donnerstag, 7. august 2008 4 07 /08 /2008 05:41

Rolf Aufmüpfer hielt sich für einen Schriftsteller, einen ganz großen heutigen, nur die anderen hatten es noch nicht erkannt.

42 Großverlagen hatte er seine Kunst verschickt, und 42mal waren Absagen oder gar keine Antworten gekommen.

Glücklicherweise gab es noch „Privatverlage“, bei denen man seine Veröffentlichung kaufen konnte. So hatte er nach vier Tagen ein Vertragsangebot, und nach weiteren vier Tagen den Druckkostenzuschuss von seiner Frau für seinen ersten Erfolg. Ihr nächster Kleinwagen musste eben noch ein Jahr warten. Dafür konnte er seinen Namen bald im „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels“ lesen.

Damit aber war er noch nicht bekannt. Welcher normale Mensch nimmt je dieses Blatt in die Hand – und dass er sein Werk in irgendeinem Laden richtig als Buch sehen oder dass es jemand kaufen würde, hatte ihm ja niemand zugesichert.

Er brauchte also eine Idee, um dem Verkaufserfolg etwas nachzuhelfen. Diese Idee brachte seine Frau unbeabsichtigt mit nach Hause. Sie hatte einen Faible für Frauenzeitschriften, die dann durchgeblättert irgendwo in der Wohnung herumlagen, um von Aufmüpfer als Toilettenlektüre nachgenutzt zu werden.

In einer davon fand er eine Beilage: „100 Singles zum Verlieben“, das Ganze gleich mit Bild und Kurzinterview. Erreichbare Adressen in ganz Deutschland.

Aufmüpfer dachte erst daran, mit ein paar hübschen Mädels darin anzubändeln. Dann jedoch schrie er vor Vergnügen in seinem Büro auf: „Nein, wozu? Die brauchen doch nur mein Buch zu kaufen und dann ihren Freunden und Bekannten davon zu erzählen – Hauptsache, dass die es auch interessant finden und kaufen.“

Schon saß er an seinem Computer:

„Liebe ...

Sicher schreiben Dir von den schüchternen, aber liebenswerten Menschen nur wenige auf Deine Anzeige, und wenn, dann schmeißt Du ihren Brief sowieso weg, weil sie unter Deiner Verehrerpost nicht auffallen.

Einzig, damit ich dir auffalle, lege ich Dir einen „Werbezettel“ für mein erstes Buch bei. Ein Foto von mir findest Du auf dem Einband. Du kannst dort noch einiges mehr entdecken, womit Du mich gleich richtig kennen lernst, und worüber wir uns brieflich nachher unterhalten könnten. Dass ich Dich super finde, wie für mich gemacht, brauche ich wohl nicht besonders zu betonen. Sonst hätte ich Dir wohl nicht geschrieben.

Es freut sich auf die nächste Runde

Dein Rolli-Rolf“

„Hach!“

Mit einer Siegerpose reckte er die rechte Faust in die Luft.

„Für Geld kann man das schon mal machen. Denn Geld und Ruhm wird rauskommen dabei.“

von fak - veröffentlicht in: Gali, Slov ant - Community: Lebensalltag
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