Ich habe richtig spekuliert. Janna lacht, sieht mich wieder aus der Kapsel hüpfen, lässt sich umarmen und küssen und achtet nicht darauf, dass mein zweites Durchschreiten der Tür die Automatik blockiert – es ist ja kein Problem, sie jederzeit wieder in Gang zu bringen. Die Zeit reicht. Ich greife in die Tasche, und plötzlich versucht Janna mit dem Tuch vor dem Mund vergeblich, etwas zu rufen.
Dann schläft sie. Sie würde sich später weder erinnern, dass sie geschlafen hat, noch was davor passiert ist, und mich deshalb nicht verraten können. Ich korrigiere die Zielparameter, setze die Verweildauer auf 15 Minuten fest und stelle auf vollautomatischen Countdown. Dann gehe ich wieder hinüber in die Kapsel. Äußerlich gelassen verfolgte ich den Schließvorgang der Tür. Dann wird mir heiß, so heiß, als wäre ich flüssiges Gestein.
Ganz kurz nur. Schon kühle ich wieder ab. Es bleibt zwar viel Trägheit in den Gliedern übrig, aber die verscheuche ich durch tänzerische Bewegungen. Es sieht ja niemand zu.
Auf der Kellertreppe unserer Mensavorräume ist es zugig. Ich muss mich beeilen. Bisher habe ich richtig gerechnet. Ich stehe vor der Schwebetür mit dem Glaseinsatz. Während ich von draußen den Saal zu überblicken versuche, stürmt mein damaliges Ich von drinnen dieser Tür entgegen. Also der junge, ungestüme Kerl, den gerade seine Blase ärgert. Sie erwartet von ihm ausgerechnet dann Gehorsam, wenn er eigentlich etwas Schönes hätte sagen sollen. Aber er denkt ja, er habe alle Zeit der Welt. Ich muss jetzt schnell herunterspulen, was ich damals, also er jetzt hätte gesagt haben müssen.
Ich lasse ihn an mir vorbei. Dann stürme ich in den Saal auf dich zu.
„Nein! Lass mich einen Moment reden! Ich liebe dich. Es ist ein Stück meiner Liebe, das da drinnen wächst. Es mag altmodisch sein, vielleicht. Aber ich möchte bei dir bleiben, ich möchte, dass du ..., dass ihr bei mir bleibt, dass du weißt, dass ich will, dass es mich etwas angeht, wenn du irgendwo bist, wo ich nicht bin, weil ich Angst habe um dich, da kann ich nichts dagegen tun und ...“
Mit einem Mal erstirbt mein hastiger Redefluss. Ich nehme wahr, wie du mich anstarrst. Wie einen Geist eben. Der ich ja für dich auch bin. Und mir wird klar, dass du mir gleich antworten wirst. Und dass du eigentlich längst bemerkt haben müsstest, dass ich viel älter geworden bin mit einem Mal.