Göbel, Robert

Freitag, 6. juni 2008

Vor nicht allzu fernen Zeiten

Entstand ein riesiger Palast.

Verglast von allen vier Seiten,

Gegründet im tiefsten Morast.

 

Nur tausend Tage wurden gebraucht,

Dann stand er für alle offen.

Und viele außer seiner Durchlaucht,

Die haben sich dort getroffen.

 

Der Kubus fügte ordnend sich ein

Ins bestehende Lindenstatut.

Zur Vertikalen sagte man nein.

Sehr heflig war der Disput.

 

Der Bau war horizontal konzipiert

Für Volkskammer und großen Saal.

Viel Gastlichkeit war integriert,

Die Nutzung war universal.

 

So stand er viele Jahre lang

Dem Volk zur Erbauung offen.

Dann kam der eilige Ubergang,

Als ,,Beitritt“ im Hause getroffen.

 

Geschrieben wurde ein Attest,

Um ihn zu schließen für immer.

Er habe viel zu viel Asbest,

Was wäre denn noch schlimmer?

 

Es bildete flugs sich ein Verein,

Die Kaisergetreuen dabei.

Sie schrieben einen Totenschein

Und betrieben Beckmesserei.

 

,,Schleift das rote Ungeheuer,
Her mit dem Riesenkoloss.
Und ist der Nachbau noch so teuer,
Wir woll‘n unser Preußenschloss“.

Robert Göbel, 2003

von fak
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Montag, 7. januar 2008
Robert Göbel:
Väterliche Unterweisung im August 1939
über den Umgang mit Stubenfliegen am großen Tisch nach dem Frühstück


Das Fangen mit der Hand
Du musst warten, bis die Fliege am Krümel sitzt. Wölbe deine Hand und schiebe sie bis etwa zwei Handbreit vor die Fliege, entgegen der Flugrichtung auf dem Tisch entlang. Überzeuge dich, dass die Fliege weiter am Krümel leckt.
Jetzt konzentriere dich. Spann den Armmuskel des Fangarmes an, lass blitzartig die Hand vorschnellen und schließe sie.
Die Fliege ist in der Hand. Öffne ein wenig die Faust, bis ein kleiner Hohlraum entsteht. Halte die Hand an dein Ohr. Du hörst es summen.
Hältst du deine Hand zum Fenster raus und öffnest sie, kommt die Fliege zurück.
Wirf sie gegen die Wand. Ist die frisch geweist, dann schmeiß das Biest auf das Linoleum und zertrete es.

Fangen mit einem Glas

Nimm ein Wasserglas. Dreh die Öffnung nach unten und schiebe das Glas geräuschlos zur Fliege auf dem Tisch.
Setze das Glas vorsichtig zwei Fingerbreit vor ihr in Flugrichtung ab. Hebe das Glas zur Fliege ein wenig an.
Schiebe es blitzschnell nach vorn und setze es auf dem Tisch auf. Die Fliege befindet sich im Glas und zeigt ihre Flugkünste.
Schiebe vorsichtig einen Bierdeckel unter das Glas und dreh es um. Du kannst sie aushungern lassen oder Wasser in das Glas füllen.

Fangen mit dem Brotmesser
Fass das große Brotmesser am Griff. Geh um den Tisch, bis du der Fliege seitlich gegenüberstehst.
Lege deine Hand ruhig mit dem Messergriff auf den Tisch. Und jetzt bewege das Messer langsam nach unten, bis die Klinge sich genau zwischen Kopfteil und Hinterleib der Fliege befindet. Pass auf!
Die Fliege darf nicht in Startposition übergehen. Dann entwischt sie. Sie muss sich ungestört fühlen und weiter frühstücken.
Konzentriere dich wieder. Lege den Zeigefinger gestreckt auf den Rücken des Messers und drücke es kraftvoll nach unten.
Geschafft! Die Fliege ist geteilt.

(August 2004)

Vorschläge Programm: allgemein, Frieden/gegen Krieg / makaber-kafkaesk

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