Dienstag, 16. dezember 2008
„ ... Jetzt da die Betschemel brennen, ...“
Paul Celan
Inmitten von Restwärme aller Liebe
erfrieren die Worte
Jetzt, da Türme stürzten
atme ich Staub
An Lidschwere erkrankt die Augen
Stähle wetzen, schmerzt die Ohren
Ich trinke Steine
Laßt mich
Haß will ich jagen
zum Frieden hin
Jürgen Polinske
Dienstag, 23. september 2008
In der wachsenden südlichen Nacht
Fügen sich aneinander
Weiß und Gelb
Schmiegen sich
Schmeichelnd
Dem Blau
Grün wiegt sich im Grün
Hinter dem
Gegen Rot
Schwarz aufsteht
So streiten die Farben
Um Harmonie
Donnerstag, 11. september 2008
1. Im
Alentejo
Noch hat er
Wasser
der Sado
für Ölbäume Pinien Korkeichen
Auf den Inseln im Gräsermeer
Sie beschatten sich gegenseitig
Dem Eukalyptus hängen die Blätter
Wie sieglose Schultern
Ginster sonnenwarm und riesig
Am Rande des Grüns
Klee und Rosmarin blühen dunkel darin
Tiefblau prunkt der Nesselkopf
Wo spärliches Gras ausgeht
Liegt die Erde frei
Ist steinig
im Farbton
Zwischen Nelke und Blut
Der Wein hat noch seine Zeit
zu reifen
2.
Im Ribatejo
Hier mimost der Mai
Er rosmarint und löwenzahnt
Treibt Winde zu Indigo
Oder in einen rosa Wahn
Den furchtfreien Opuntien
Gönnt er ein Goldgelb
Der Tejo führt reichlich Wasser
Für Reis auf den Feldern
Und gewinnt noch an Kraft
Auf Kilometer Breite
Bevor er bei Lissabon
Die Mündung spitzt
Und küßt das Meer
Juergen Polinske Mai 2008