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marbach Germanistik im Netz - Virtuelle Fachbibliothek Germanistik  

Gegen deutsche Kriege

1. Oktober 2008 3 01 /10 /Oktober /2008 05:17

Am anfang gab es auf der erde nur unbelebte körperlichkeit.

Durch spontanen minimalsprung entstanden lebensformen, die, je nachdem, ob sie durch ihren lebenskreislauf an einen ort gebunden waren oder nicht, als pflanzen oder tiere bezeichnet wurden. Beiden formen war gemeinsam, dass ihre existenz als einzelwesen zeitlich limitiert und die existenz der art an unterschiedliche formen kopulativer und nicht kopulativer weitergabe der hauptmerkmale an so genannte kinder gebunden war.

Eine sonderform des tierischen lebens bildeten die menschlichen formen. Sie hatten außer den bisher beschriebenen merkmalen die bedingte fähigkeit, neue lebenstypen durch ihr praktisches wirken zu begründen.

Die erste vorform nicht naturbedingt limitierten lebens schufen diese menschen durch äußerlich unbelebte modi so genannten geldes. Diese vorform besaß eine zeitlich im vergleich zu bisherigem leben fast unendlich erscheinende lebenszeit, hatte aber einen materiellen körper, der nur durch seine spezifische bedeutung für die menschen ein an deren handeln gebundenes eigenleben hatte.

Eine höhere lebensform bildete das so genannte papiergeld. In seiner lebenserwartung als einzelwesen stellte es zwar einen evolutionären rückschritt dar, da die körperlichen träger dieser intelligenz einem unter umwelteinflüssen stehenden permanenten ablebenszyklus unterlagen, doch stellte diese lebensform bereits eine allgemeine gesamtintelligenz dar. Die zwar noch an mechanische tätigkeit einzelner menschen gebundene existenz einzelner papiergeldwesen reproduzierte bereits die gesamtschöpferkraft der menschlichen vorlebensform.

 

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30. September 2008 2 30 /09 /September /2008 05:13
Der Durchbruch kam mit zwei weiteren Beobachtungen.
Wenn er bis zur 89. Sekunde oben auf „Neues Spiel“ klickte, weil ein schlechtes Ergebnis zu erwarten war, wurde das Spiel nicht mitgezählt. Er musste sich dann nur total konzentrieren, denn der Countdown lief sofort neu an. Und sein Hauptproblem bestand offenbar darin, dass er die Fehler bemerkte und bedauerte, die er unter dem Druck der ablaufenden Zeit machte. Schließlich kamen ja an anderer Stelle neue Chancen, die er nur ohne zu zögern nutzen musste.
Jetzt arbeitete er gezielt an der Statistik. Es waren immer neue 90 Sekunden Geschwindigkeitsrausch. Punkt für Punkt drückte er den Durchschnitt, entsetzt, wenn er gelegentlich den Absprung vor dem Ende eines schlechten Spiels verpasste. Das kam immer seltener vor. Den abgebrochenen Spielen hatte er den Geheimnamen „Zeitspiel“ gegeben. Er machte sich keine Gedanken mehr darüber, ob das „geschummelt“ sein könnte. Lächelnd nahm er im Vorüberspielen wahr, dass er nun schon mehr als 1000 gezählte Runden in der neuen Weise gespielt hatte. Das Verbessern des Durchschnitts wurde schwerer, doch es gelang auf Kosten von immer mehr „Zeitspielen“.
Schewen hatte einen enormen Grad an Spielkonzentrationsfähigkeit antrainiert. Vielleicht deshalb bemerkte er nicht, dass am Ende eines Spitzenspiels vor ihm die Tür aufging. Der „Bravo!“-Ruf schien die Anerkennung des Computerlautsprechers für den neuen Rekord zu sein. Dann sah er sich überrascht dem Gesicht seines Chefs gegenüber.
Während er seine Sachen zusammenpackte, schlug ihm Klöterer vor, das Spiel auch auf dem heimischen Computer der Familie Schewen zu installieren. Doch Schewen hatte gelernt: jetzt zählte nur noch das, was er an neuen Chancen auf dem Arbeitsmarkt anklickte. Und zwar innerhalb des Limits.
So hatten letztlich beide etwas von dem Spiel: Schewen die Erkenntnis der Philosophie seines Lebens und Klöterer den Buchhalterjob von Schewen.
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29. September 2008 1 29 /09 /September /2008 09:10
 Es war ein Relikt aus alten Zeiten, dass Schewen in einem Einzelzimmer arbeitete. Gelegentlich kam ihn der junge Klöterer dort besuchen. Lange würde er das nicht mehr tun, denn die Firma baute Stellen ab und Klöterer stand auf der Liste, denn er war jung und ohne Verpflichtungen. Eine sozial verträgliche Lösung, fand auch der Betriebsrat.
Dann bemerkte Klöterer, wie Schewen erschöpft von einer Reihe von Zahlen aufschaute. „Mensch, Gerhard“, meinte er mitfühlend, „du musst dir aufmunternde Pausen organisieren. Kaffee allein macht ´s nicht.“
Verwirrt sah der erfahrene Buchhalter seinen jungen Kollegen an.
Ich überspiel dir ein einfaches Computerspiel auf deine Festplatte. Klickomania. Wenn du abgespannt bist, bringt dich das auf Trab.“
Ein großes Spielfeld bestand aus vielen verschieden farbigen Feldquadraten, die immer dann „abgeschossen“ werden konnten, wenn gleichfarbige Quadrate neben- oder übereinander lagen. In die frei werdenden Felder stürzten dann die darüberliegenden.
Eine Weile spielte Schewen das in Arbeitspausen, doch er fand es ermüdend: Es war eine klare Denkaufgabe wie ein Damespiel gegen den Zufallsgenerator. Seine mathematische Übung ließ ihn meist gewinnen. Andererseits forderte es seinen Ehrgeiz. Für jedes Versagerquadrat hätte er sich ohrfeigen mögen. Da sich bei gleicher Punktzahl das letzte Spiel immer hinten einordnete, kam Schewen nach den ersten 10 fehlerfreien Spielen nicht mehr in die Bestenliste.
Irgendwann bemerkte er, dass sich für das Spiel Varianten einstellen ließen und ein Zeitlimit von 90 Sekunden.
Damit konnte er sich nicht in eine knifflige Spielaufgabe verbeißen und zu spät wieder zu seiner Arbeit zurückkehren. Wenn ihn diese 90 Sekunden nicht vor fast unüberwindliche Probleme mit seinem Alter und seinem Temperament gestellt hätten. Ohne Limit hatte er mit berufstrainiertem Geschick die optimale Variante herausgeknobelt. Jetzt aber stürzte ihn das Bedürfnis nach Genauigkeit in Katastrophen. Er hatte noch nicht das halbe Feld abgeräumt, da stand alles zum Abrechnen still. So mussten seine normalen Abrechnungen noch ein- oder zwei- oder dreimal 90 Sekunden warten.
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28. September 2008 7 28 /09 /September /2008 05:55

Habe ich Freunde gewonnen, die letzten 10 Jahre?

Sollen sie mich rausschmeißen. Vielleicht gibt es eine tolle Abfindung. Prämie für den ersten Ossi, der sie 10 Jahre ausgehalten hat.

Wie wird eigentlich das Arbeitslosengeld berechnet? Wenn ich krank war, vorher?

Oder Stütze? Oder Rente?

Mit 40? Nütze ich?

Irgendwie gewinnt der Zug wieder Fahrt. Auf dem Bahnsteig ich. Stehe. Warte. Nicht mehr auf den nächsten Anschluss. Luisa und Andre sitzen auf den Koffern und singen. Gibt es was zu singen? Ich singe auch. Winke mit dem Taschentuch. Zugluft ohne Züge. War nicht meiner. Wer meldet meinen Zug? Irgendwann?

Verrückt werden reizt. Oder nicht?

Ich raffe mich auf.

Die Treppe. Ein Glas Wasser. Keine Cola. Schlucken. Die Toilettenspülung.

Ich trockne mir die Hände ab am Saunatuch „Schloss Oberberg“. Schloss Oberberg? Erinnerung. Nie wieder.

Ein Geräusch aus Luisas Zimmer. Sollte ich sie geweckt haben? Ein Glück, dass die Türen nicht mehr knarren. Nein, Liss hat sich nur im Schlaf bewegt. Die Decke liegt auf dem Teppich. Lass dich einhüllen, Liss, schlaf weiter!

Was soll meine Bindenpackung hier?

Liss?

Ich schwanke in mein Bett. Meine Mutter wusste es bei mir als erste.

Weihnachtsmannwunschzettel? Hätte mich wohl vertan.

Aber jetzt bin ich für euch da.

Zu Weihnachten, morgen, an allen Tagen...

Frau sein. Luisa. An allen Tagen.

Mutter sein?

Die leere Packung ohne Abendtabletten in meiner Hand. Sie wird nicht mehr gebraucht.

Ich warte. Bald habe ich keine Angst mehr.

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27. September 2008 6 27 /09 /September /2008 05:53

Diese Bewerbungsakte! Meine: Ungekündigte Stellung. Studium in Minizeit, vier Jahre, Noten durchweg gut und besser. Zwei Kinder geboren nebenbei... Was wussten Westbanker damals von DDR-Frauenförderung?

Nichts. Zum Glück für meine Anstellung.

So wurde ich Banksuperfrau. Erschloss den wilden Osten. Enttäuschte nicht. Egal, wofür gerade Quoten festgelegt waren. Brachte sie. Vorzeigeossi an der Anlagefront. In unserer Bank kann selbst eine allein erziehende Mutter zweier Kinder groß herauskommen.

Nächster Chef, nächste Kollegen, nächste Umstrukturierung.

Natürlich darf das Kindererziehen die Arbeit nicht beeinträchtigen. Für Sie ist das doch aber kein Problem, Frau Martin, oder?

Natürlich nicht. Aus der netten Nachbarin wurde die Stundenhilfe, aus der Stundenhilfe die Kinderfrau, aus der Kinderfrau... Nein, bezahlt habe ich sie gut.

Und als Andre das Klassenziel der Dritten nicht erreichte... oder war `s die Vierte?... das habe ich doch gut hin bekommen: Wenigstens das halbe Zeugnis „2“ oder besser, dann gibt es ein Pferd geschenkt. Scheide ich aus, scheidet das Pferd aus.

Kein Grund zur Eifersucht für Luisa. Weswegen eigentlich? Ich war früher auch große Schwester, hab manchmal auf die jüngeren aufgepasst.

Verfluchte Angst!

Bei der Hypothek kann mich die Bank zum Hausverkauf zwingen. Was bleibt dann zum Festhalten von den ganzen Mühen? Außer dem Heim für meine Familie ohne Bernd? Wozu habe ich dann gelebt?

Dürfen sie mich einfach rausschmeißen? Ungeeignet für den Job? Für die Bank?

Eine mit Nervenschaden.

Ich kann nicht mehr. Will nicht mehr.

Will ich was?

Leben? Wie? Wovon?

Scheiss auf den Empfang im Schwarzen Adler! Hab nichts anzuziehen dafür. Müsste wieder 900 Euro ausgeben für Vorzeigegarderobe. Um ein Glas Sekt spendiert zu bekommen. Wegen meiner Verkaufserfolge.

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26. September 2008 5 26 /09 /September /2008 08:48

Ich habe wohl die Abendtablette vergessen.

Dürfte ich sonst in der Nacht um zwei wach werden?

Und nun unterbrochen grübeln?

Muss das sein, das Grübeln?

Ich will nicht grübeln. Ich will schlafen.

Angst habe ich. Vor dem Grübeln.

Angst. Ich habe Angst.

Keiner sagt, wo diese Angst anfängt, enden kann.

Ob ich aufstehe, die Treppe durch mein Haus zur Küche hinunter laufe und die Angst lösende Tablette schlucke?

Und wenn ich trotzdem nicht wieder einschlafe? Oder nicht wieder aufwache?

„Sie entscheiden, was Ihnen wichtig ist!“

Der Mann hatte gut reden. Als Arzt verdient er bestimmt nicht schlecht. Er wird eine Frau haben. Die räumt ihm alle Alltagsproblemchen aus dem Weg. Zeigt ihm manchmal seine Kinder: Wie groß sie schon geworden sind...

Krank? Ich doch nicht! Wie denn?

Wovon lebt meine Familie ohne Geld von mir?

„Wir beraten Sie auf Wunsch gern auch außerhalb unserer Öffnungszeiten. Bitte vereinbaren Sie einfach einen Termin.“ (Als vermögender Kunde sind Sie es uns wert.)

Ja ich komm zu Ihnen, wohin Sie wollen. Nur, überlassen Sie Ihre Kröten der Hauptstadtbank, nicht der X-Kasse! Zinsen? Ein Viertel Prozent weniger. Aber persönlichen Service. Mich. Wir seelsorgen Sie. Ich seelsorge Sie. Den eignen Kindern kann man nicht mehr trauen heutzutage.

Ein weiterer Kunde unterschreibt, scheinbar, um mir einen Gefallen zu tun. Gönnerhaft. Rechnet sich an, mir die höchste Provision verschafft zu haben. Nun muss ich gehen. Und schweigen.

Quote jagen, allein, um den Arbeitsplatz zu sichern? Meinen? Als Beste?

Bis der Meiler ausgebrannt ist? Ich Meiler? Ohne Energie. Nur strahlender Atommüll. Nein, strahlen kann ich nicht mehr.

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25. September 2008 4 25 /09 /September /2008 05:43

Dann wird die Tür geräuschlos geöffnet. Man führt mich durch verschiedene Gänge. Wenn ich es richtig begreife – und ich kenne unser Zeitlabor blind – dann geht es zur Buchhaltung. Was soll ich dort? Einer der Wachleute knurrt etwas. „... Diensthabender Leiter ... bloß nicht von der Ähnlichkeit erzählen sollen ...“

Tatsächlich. Die Tür des Hauptbuchhalters. Und bevor es hineingeht, erhasche ich einen Blick auf das Namensschild. Blix. Blix – ja, verdammt noch mal, mein Name. Und der Mann, dem ich dann gegenüber stehe, das bin ich! Verdammt, ich begreife es sofort. Das ist das Ich, das dank meines Eingriffs in mein Leben mit dir aus mir geworden ist. Jetzt also war auch in der Zeit, aus der ich gekommen war, kein Platz mehr für mich.

Wenige Minuten später aber tritt ein Mann, der wie der Hauptbuchhalter des Instituts aussieht, aus der Tür. Er murmelt etwas von „... doch den Leiter wecken ...“, aber bevor die beiden Wachposten ihn verstanden haben, haben sie zwei Handkantenschläge niedergestreckt. „Entschuldigung“, sage ich zu den Männern, die mich nicht mehr hören.

Dann folgt mir ein zweiter, sich etwas behäbiger bewegender Mann – das bin ich als dein Ehemann in dieser Zeit, der brave Buchhalter, der in meine Sachen geschlüpft ist. Beide streben der Kapsel zu. Der buchhalterische Mensch hebt die Identitysperren auf. Im Kapselvorraum gibt er Weisung, sofort alle verfügbaren Daten, die zu dem Programmversagen geführt haben könnten, für den Sicherheitschef zusammenzustellen. Die Wachen sollen ihn sofort persönlich herholen.

Seltsam. Da sind zwei Männer, die sich äußerlich extrem ähneln, plötzlich allein. Der eine füttert die Anlage mit Zahlen. Beide springen in die Kapsel. Während sich die Tür des Vorraums öffnet, schließt sich die Kapseltür. Den Männern wird heiß.

Dann wird ihnen kalt im Keller. Doch lächelnd schlendern sie zu dem Glasfenster, das zu der Flügeltür dieser Mensa gehört. Dort sehen sie, wie er – ihrer beider jugendlicher Vorgänger – aufspringt und in Richtung Toilettenausgang von deinem Tisch davon stürmt.

Sie treten zur Seite, lassen den jungen Mann, aus dem sie beide sich einmal entwickelt haben, vorbei, sehen sich lachend an, und dann schreiten sie vergnügt in den Saal hinein. An deinem Tisch sind drei Plätze frei. Zwei davon besetzen sie, den dritten wird „er“ bald wieder einnehmen. Und während sie gespannt darauf warten, dass dein Blick den ihren kreuzt, fühlen sie sich beschwingt wie nie zuvor: Sie haben alle Zeit der Welt und die Hoffnung, du wirst jedem von ihnen wenigstens ein Drittel von dir schenken und meinem, ... unserem Kind drei Väter gönnen.

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24. September 2008 3 24 /09 /September /2008 05:41

Im Mensasaal ist es ganz still. Siebzig Augenpaare starren entsetzt oder begeistert zu unserem Tisch herüber. Als ich mir bewusst werde, dass er – also mein damaliges ICH – seine Blase geleert haben und gleich wieder rein kommen muss, da stürme ich durch die spontane Gasse, die die anderen Studenten gelassen haben, hinaus zur Flügeltür.

Mir bleibt nur der Bruchteil einer Sekunde, um mich in eine Ecke zu pressen, denn schon kommt mein jugendliches ICH auf die Tür zu. Ich sehe mich ... ihn durch die Tür gehen. Ich höre ein wahnsinniges Brüllen und Klopfen, das mich ... ihn empfängt.

Ich sehe nicht weiter nach. Kitschige Schmusemomente, in denen sie ihm in die Arme fliegt, sind nicht meine Sache. Schon gar nicht, wenn ich der Er bin und nicht weiß, was mir geschieht.

Außerdem muss ich rechtzeitig an dem Punkt stehen, von dem mich die Automatik zurück teleportieren soll in meine Zeit. Das wäre ja zu dumm, wenn der Temperstrahl ins Leere griffe. Ich sehe an dem versteckten Kellertreppenabsatz auf meine Relativuhr. Mein Auftritt hat ganze 550 Sekunden gedauert. Sicherheitshalber baue ich mich auf wie eine Statue. Wer weiß, ob man der automatischen Temporation trauen kann.

Noch nie sind mir die Sekunden so lang vorgekommen. Laufend fallen mir die schrecklichsten Sachen ein. Zum Beispiel, dass ich als braver Familienvater die Entwicklung der Zeitreisepraxis nicht mehr vorantriebe und deshalb der Tempor, der mich zurück holen soll, gar nicht existiert. Ich müsste dann in die Kälte hinaus als verunglückte Zukunftsversion eines Ideal-Ehemannes. Ein Mensch, den es so gar nicht gäbe, weil er ja schon einmal da ist. Höchstens als Geist geeignet, um mir selbst Ratschläge beim Umschiffen von künftigen Lebenswirren zu geben, die ich gar nicht haben will.

Ich bin schon bereit, mich mit jeder Situation abzufinden, da wird mir brennend heiß. Oh wie ich dieses Gefühl liebe! Ja! Ja! Ich lebe als ICH!

Ich finde mich wieder in meiner T-Kapsel. Gleich wird die Automatik die Tür öffnen, ich werde die Zeitphase löschen, Janna wecken ... Wie zögerlich bewegt sich doch so eine Automatiktür! Das Leben liegt immer dahinter. Und diese verdammt träge Bewegung raubt einem die schönsten Momente.

Der Kammervorraum ist voller Wachleute. Sie führen mich ab in eine Isolierzelle. Es ist so komisch: Keinen dieser Menschen habe ich je gesehen. Ich muss warten, ewig warten. Weiß ich, wie lange.

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23. September 2008 2 23 /09 /September /2008 15:32

In der wachsenden südlichen Nacht

Fügen sich aneinander

Weiß und Gelb

Schmiegen sich

Schmeichelnd

Dem Blau

Grün wiegt sich im Grün

Hinter dem

Gegen Rot

Schwarz aufsteht

So streiten die Farben

Um Harmonie

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23. September 2008 2 23 /09 /September /2008 05:39

Ich habe richtig spekuliert. Janna lacht, sieht mich wieder aus der Kapsel hüpfen, lässt sich umarmen und küssen und achtet nicht darauf, dass mein zweites Durchschreiten der Tür die Automatik blockiert – es ist ja kein Problem, sie jederzeit wieder in Gang zu bringen. Die Zeit reicht. Ich greife in die Tasche, und plötzlich versucht Janna mit dem Tuch vor dem Mund vergeblich, etwas zu rufen.

Dann schläft sie. Sie würde sich später weder erinnern, dass sie geschlafen hat, noch was davor passiert ist, und mich deshalb nicht verraten können. Ich korrigiere die Zielparameter, setze die Verweildauer auf 15 Minuten fest und stelle auf vollautomatischen Countdown. Dann gehe ich wieder hinüber in die Kapsel. Äußerlich gelassen verfolgte ich den Schließvorgang der Tür. Dann wird mir heiß, so heiß, als wäre ich flüssiges Gestein.

Ganz kurz nur. Schon kühle ich wieder ab. Es bleibt zwar viel Trägheit in den Gliedern übrig, aber die verscheuche ich durch tänzerische Bewegungen. Es sieht ja niemand zu.

Auf der Kellertreppe unserer Mensavorräume ist es zugig. Ich muss mich beeilen. Bisher habe ich richtig gerechnet. Ich stehe vor der Schwebetür mit dem Glaseinsatz. Während ich von draußen den Saal zu überblicken versuche, stürmt mein damaliges Ich von drinnen dieser Tür entgegen. Also der junge, ungestüme Kerl, den gerade seine Blase ärgert. Sie erwartet von ihm ausgerechnet dann Gehorsam, wenn er eigentlich etwas Schönes hätte sagen sollen. Aber er denkt ja, er habe alle Zeit der Welt. Ich muss jetzt schnell herunterspulen, was ich damals, also er jetzt hätte gesagt haben müssen.

Ich lasse ihn an mir vorbei. Dann stürme ich in den Saal auf dich zu.

„Nein! Lass mich einen Moment reden! Ich liebe dich. Es ist ein Stück meiner Liebe, das da drinnen wächst. Es mag altmodisch sein, vielleicht. Aber ich möchte bei dir bleiben, ich möchte, dass du ..., dass ihr bei mir bleibt, dass du weißt, dass ich will, dass es mich etwas angeht, wenn du irgendwo bist, wo ich nicht bin, weil ich Angst habe um dich, da kann ich nichts dagegen tun und ...“

Mit einem Mal erstirbt mein hastiger Redefluss. Ich nehme wahr, wie du mich anstarrst. Wie einen Geist eben. Der ich ja für dich auch bin. Und mir wird klar, dass du mir gleich antworten wirst. Und dass du eigentlich längst bemerkt haben müsstest, dass ich viel älter geworden bin mit einem Mal.

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