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marbach Germanistik im Netz - Virtuelle Fachbibliothek Germanistik  

Gegen deutsche Kriege

19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:37
Notizen zur Poetik
(nach Erich Arndt, Deutsche Verslehre, Volk und Wissen, Berlin 1975 und Otto F. Best, Handb. literar. Fachbegriffe, Fischer Frankfurt/M. 1972)
zusammengestellt von Alois Hallner


1. Metrik

steigender und fallender Rhythmus
Taktgeschlecht
Auftakt
Kadenz


2. Reimlehre
Silbenreim
1. Haufenreim
2. Paarreim
3. gekreuzter Reim
4. umschließender o. Spiegelreim
5. verschränkter Reim
6. Schweifreim
7. Dreireim

8. Einreim (Haufen-/Tiradenreim)
9. Reicher Reim
10. Reim nicht versbildend

11. besondere Formen
11.1. Halbreim (unreiner Reim)
11.2. Assonanzen
11.3. rührender Reim
11.4. identischer Reim
11.5. erweiterter Reim
11.6. Schüttelreim

11.7. Waisen
11.8. Körner
11.9. Schlagreim
11.10. Binnen-/Innenreim
11.11. Augenreim
11.12. Schleppreim
11.13. gebrochener Reim


Lautreim
1. Alliteration (Stabreim)
2. Assonanz


3. Verslehre
Deutscher und antiker Vers

1. Gegenüberstellung
2. Trochäus
3. Jambus
4. Amphybrachis

5. Hexameter
6. Pentameter
7. Distichon

spezielle Vers-/Gedichtformen
1. Akro-/Meso-/Telestichon
2. Alexandriner
3. Ballade

4. Blankvers
5. brachy-/hyperkatalektischer Vers
6. Brechung (Enjembement)
7. Dimeter
8. Distichon (als Element eines Gedichts)
9. Divan / Diwan

10. Elegie (Special zu Elegie / Ode)
11. Elision
12. Ellipse
13. Enjambement (s. unter Brechung)
14. Haiku (Hokku)
15. Knittel-/Knüttelvers
16. Limerick

17. Monodistichon
18. Ode (s. unter Elegie)
19. Sapphische Strophe
20. Sonett (! Shakespeare-/ englisches Sonett)
21. Sonettenkranz
22. Stanze
23. Strophensprung (s. unter Brechung)
24. Terzine
25. Trimeter
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19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:36

1. Metrik

 

steigender u. fallender Rhythmus:

 

1. aufsteigende Sprechtakte (Glieder): xx

                                                                                                                         (Heine,Traumbilder)

            Was treibt / und tobt / mein tolles / Blut?

            Was flammt / mein Herz / in wilder / Glut?

 

2. absteigende Sprechtakte (Glieder): xx

            Füllest / wieder / Busch und / Tal

 

3. auf- und absteigende Sprechtakte (Glieder): xxx

                                                                                                                             (Kuba, Bauhebe)

            In Waage / und Winkel / und Lot ist das / Haus.

            Heut gehen die / Maurer / und Zimmerleut / aus.

 

Taktgeschlecht:

 

1. zweisilbige Takte dominieren (gerades Taktgeschlecht, ‘Zweivierteltakt’):

            Anmut / sparet / nicht noch / he

 

auch mit Auftakt:

            Es / schlug mein / Herz, ge-/schwind zu / Pferde

 

auch bei freier Füllung. Takte mit mehr als zwei Silben:

                                                                                                                           (Goethe, Erlkönig)

            Wer / reitet so / spät durch / Nacht und / Wind?

 

noch freier und bewegter beim Knittelvers:

                                                                                                                                          (Goethe)

            Wer ge-/ringe / Ding / wenig / acht’t,

            Sich / um ge-/ringere / he / macht.

 

2. abgestufte Hebungen (1. Tonsilbe der 2. übergeordnet):

            Eins, zwei, drei, vier, / fünf, sechs, sieben,

            Eine Bauers-/Frau kocht ben…

 

3. dreisilbige Takte dominieren (daktylische Verse, ‘Dreivierteltakt’):

            Anke von / Tharaw öß, / de my ge-/föllt,

            Se öß mihn / Lewen, mihn / Goet on mihn / Gölt.

 

auch mit eingeschobenem zweisilbigen Takt:

                                                                                                                    (Mühsam, Zum Beginn)

            Wollt ihr die / Freiheit, so / seid keine / Knechte!

            Wollt ihr das / Glück, so / schaffet das / Rechte!

            Wollt ihr die / Früchte, so / akkert die / Saat!

            Wollt ihr das / Leben, so / leistet die / Tat!

 

4. dreisilbge. Takte dominieren, Haupt- u. Nebenhebgn. (‘schwere daktylische Verse’):

                                                                                                                                       (Volkslied)

            Mein / Schatz ist ein / Schneider,

            Ein / Schneider muß / sein.

 

auch mit unterschiedlicher Silbenlänge ( 2 : 1 : 1 ):

                                                                                                                            (Goethe, Egmont)

            Freudvoll und / leidvoll, ge/dankenvoll / sein;

            Hangen und / bangen in / schwebender / Pein

            Himmelhoch / jauchzend, zum / Tode be-/trübt;

            Glücklich al-/lein ist die / Seele, die / liebt.

der Auftakt:

 

1. ein Auftakt vorhanden:

            Es / schlug mein / Herz, ge- / schwind zu / Pferde

 

er kann auch mehrere Silben umfassen:

                                                                                                      (Schiller, Reiterlied, Wallenstein)

            Warum / weint die / Dirn und zer- / grämet sich / schier?

 

ein- und zweisilbige Auftakte können wechseln:

                                                                                                      (Weyrauch, Die Vogelscheuche)

            Die / Kinder, sie / laufen und / zerren den / Mann

            hi- / ber zum / Platz vor der / Linde,

            sie / stellen ihn / auf und / stekken ihn / an,

            und er / knistert im / schäumenden / Winde.

            Und sie / stehen im / Kreis, und sie / wirbeln den / Tanz,

            Und sie / rufen die / glücklichen / Schreie.

 

2. Auftakt fehlt:

                                                                                                                   (Goethe, An den Mond)

Füllest / wieder / Busch und / Tal

Still mit / Nebel- / glanz

 

auch im Dreivierteltakt:

Pfingsten, das / liebliche / Fest war ge- / kommen: es/ grünten und / blühten …

 

3. Auftakt ist frei:

                                                                                                                             (Goethe, Faust I)

Habe nun, ach! Philosophie,

Juristerei und Medizin

Und / leider auch Theologie

Durchaus studiert, mit heißem Bemühn.

 

die Kadenz (der Abtakt):

 

1. weibliche oder klingende Kadenz:

Es / schlug mein / Herz, ge-/schwind zu / Pferde

 

oder:

Der / Mond ist / aufge-/gangen

 

oder:

Uns / ist in / alten / maeren

 

oder:

Es / war ein / nig in / Thule

 

2. männliche oder stumpfe Kadenz:

Es / war ge-/tan fast / eh ge-/dacht

 

oder:

                                                                                                     (Deicke, Liebe in unseren Tagen)

Abends / noch, vorm / Schlafen-/gehn,

sprich ein / liebes / Wort! –

Sieh, ich / will dich / ganz ver-/stehn,

scheuch den / Unmut / fort! –

 

3. gelegentlich Kadenzwechsel:

Im / fernen / Böhmer-/land

blüht / eine / alte / Linde,

daß / ich die / Liebste / fand,

steht / dort in / brauner / Rinde.

 

oder (in umgekehrter Reihenfolge):

                                                                                                                (Cibulka, Steine und Brot)

Hörst / du die / Moldau / rauschen?

Im / Winde / weint das / Korn.

Ich / mußt’ den / Pflug ver-/tauschen,

und / alles / ward ver-/lorn.


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19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:21

2. Reimlehre

Silbenreim
(Endreim, Binnenreim, Schlagreim usw): Gleichklang zweier oder mehrerer Lautgruppen von ihrem letzten betonten Vokal an!

reiner Reim oder Vollreim: volle Übereinstimmung der reimenden Vokale und Konsonanten

unreiner Reim oder Halbreim: keine volle Übereinstimmung, beruht auf ähnlich klingenden Reimsilben)

[Man hüte sich vor allzu pedantischer Beckmesserei (Goethe: Tritte auf Hütte; Entzücken auf erquicken). Ähnliche Ungenauigkeiten können in anderen Gedichten durchaus die Klangreinheit verletzen. Reime können sich mit der Zeit abnutzen. Wer dürfte es heute noch ungestraft wagen, Triebe mit Liebe oder Herz mit Schmerz zu reimen. Doch auch hier gibt es kein allgemeingültiges Verbot (Berechtigung, wenn es gelingt, diese Reimver­bindungen in völlig neue Zusammenhänge zu stellen). Dichter um 1900 machten geradezu Jagd auf ungewöhnliche Reimklänge (Rilke: Durchtobtsein auf gelobt sein oder Herr auf  Verkündiger)]

 

 

 

1. Haufenreim (aa aa):

                                                                                               (Keller, Abendlied)

Augen, meine lieben Fensterlein,

Gebt mir schon so lange holden Schein,

Lasset freundlich Bild um Bild herein:

Einmal werdet ihr verdunkelt sein!

 

2. Paarreim (aa bb): (die durch den Paarreim verbundenen Verse bilden ein Reimpaar)

                                                                                                                     (Herwegh, Bundeslied)

Mann der Arbeit, aufgewacht!

Und erkenne deine Macht!

Alle Räder stehen still,

Wenn dein starker Arm es will.

 

3. gekreuzter Reim (ab ab):

                                                                                                                 (Dehmel, Manche Nacht)

Wenn die Felder sich verdunkeln,

Fühl’ ich, wird mein Auge heller;

Schon versucht ein Stern zu funkeln,

Und die Grillen wispern schneller.

 

4. umschließender oder Spiegel-Reim (abba cddc usw):

                                                                                                                    (Eichendorff, Übermut)

Ein’ Gems auf dem Stein,

Ein’ Vogel im Flug,

Ein Mädel, das klug,

Kein Bursch holt die ein.

 

5. verschränkter Reim (abc abc):

                                                                                (Hebbel, Die Rosen im Süden)

Aus den Knospen, die euch deckten,

Süße Rosen, mein Entzücken,

Lockte euch der heiße Süd;

Doch die Gluten, die euch weckten,

Drohen jetzt euch zu ersticken,

Ach, ihr seid schon halb verglüht!

 

6. Schweifreim (aab ccb):

                                                   (Lorbeer, Von einer glücklichen Mutter gesungen)

Schön, mein Kind, wirst du einst leben,

Aus den Träumen dich erheben

Und ein Mensch der Taten sein,

Denn der Tag wird wiederkehren

Und auch dich ein Leben lehren,

Drin der Mensch nicht mehr allein.

 

7. Dreireim (aaa, bbb, ccc usw.):

                                                                                     (Eichendorff, Mittagsruh)

            Über Berge, Fluß und Talen,

            Stiller Lust und tiefen Qualen

            Webet heimlich, schillert, Strahlen!

            Sinnend ruht des Tags Gewühle

            In der dunkelblauen Schwüle,

            Und die ewigen Gefühle,

            Was dir selber unbewußt,

            Treten heimlich, groß und leise

            Aus der Wirrung fester Gleise,

            Aus der unbewachten Brust,

            In die stillen, weiten Kreise.

8. Einreim, auch Haufenreim oder Tiradenreim (aaaaaaa …),

                                                                                                      (A.Glaßbrenner, An den Michel)

            Willst du deinen Junkern behagen

            So mußt du dich also betragen:

            Im Frieden stets wacker dich plagen,

            Im Kriege stets wacker dich schlagen,

            Nichts wagen und nie was abschlagen.

            Nie fragen, versagen, noch klagen,

            Beim Geldgeben nimmer verzagen,

            Und all deine Wünsche vertagen.

            Dann hast du nichts weiter zu sagen!

 

9. reicher Reim: Sonderform des erweiterten, zwei und mehr Silben umfassenden Reims, wo­   bei die reimende Silbe oder Wortgruppe leichte Veränderungen erfährt, vorletzte Takte ein­ bezogen, Konsonanten abweichend (häufig in oriental. Strophenformen wie Ghasel)

                                                                                                                            (Bürger, Leonore)

Und jedes Heer mit Sing und Sang,

Mit Paukenschlag und Kling und Klang,

Geschmückt mir grünen Reisern,

Zog heim nach seinen Häusern.

 

oder:

                                                                                                                 (Heine, Die Heimführung)

Ich geh nicht allein, mein feines Lieb,

Du mußt mit mir wandern

Nach der lieben, alten, schaurigen Klause,

In dem trüben, kalten, traurigen Hause.

 

oder (Doppelreim):

                                                               (C.Brentano, Das Märchen vom Schulmeister Klopfstock)

            Nun wird das Meer nicht mehr bitter sein,

            Auf stillerund wilder Flut

            Wirst du der seligste Ritter sein.

                                                                                                                     Goethe, Buch Suleika)

            In tausend Formen magst du dich verstecken,

            Doch, Allerliebste, gleich erkenn ich dich;

            Du magst mit Zauberschleiern dich bedecken,

            Allgegenwärtge, gleich erkenn ich dich,

 

            An der Zypresse reinstem, jungem Streben

            Allschöngewachsne, gleich erkenn ich dich,

            In des Kanales reinem Wellenleben,

            Allschmeichelhafte, wohl erkenn ich dich.

 

            Wenn steigend sich der Wasserstrahl entfaltet,

            Allspielende, wie froh erkenn ich dich;

            Wenn Wolke sich gestaltend umgestaltet,

            Allmannigfaltge, dort erkenn ich dich.

 

            An des geblümten Schleiers Wiesenteppich,

            Allbuntbesternte, schön erkenn ich dich,

            Und greift umher ein tausendarmger Eppich,

            O Allumklammernde, da kenn ich dich.

 

            Wenn am Gebirg der Morgen sich entzündet,

            Gleich, Allerheiternde, begrüß ich dich,

            Dann über mir der Himmel rein sich ründet,

            Allherzerweiternde, dann atm ich dich.

 

            Was ich mit äußerm Sinn, mit innerm kenne,

            Du Allbelehrende, kenn ich durch dich;

            Und wenn ich Allahs Namenhundert nenne,

            Mit jedem klingt ein Name nach für dich.

 

10. Reim nicht versbildend (hält Erinnerung an reimende Lyrik wach):

                                                                                                                                 (Rose Nyland)

 


Über uns hinweg

wird eine Liebe gehn.

Leise, fröhlich

und mit leichten Füßen

 

Sie, im blauen Kleid,

wird lachen müssen,

Er, verträumt, befangen,

wird es nicht verstehn.

 

 

Wird dem Lachen

sich entgegenstemmen,

wie ein Schiff.

Sie holt die Segel ein.

 

Zwischen ihnen wird

der Atem sein.

Und dann muß

man sich die Haare kämmen.

 

 

Und sie werden auf

den Brücken stehen.

Furchtlos klug.

Und er nun unbefangen.

 

Es ist gut. Wir sind

vorausgegangen

Über uns hinweg

Wird eine Liebe gehen.



 

 

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19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:19

8. Einreim, auch Haufenreim oder Tiradenreim (aaaaaaa …),

                                                                                                      (A.Glaßbrenner, An den Michel)

            Willst du deinen Junkern behagen

            So mußt du dich also betragen:

            Im Frieden stets wacker dich plagen,

            Im Kriege stets wacker dich schlagen,

            Nichts wagen und nie was abschlagen.

            Nie fragen, versagen, noch klagen,

            Beim Geldgeben nimmer verzagen,

            Und all deine Wünsche vertagen.

            Dann hast du nichts weiter zu sagen!

 

9. reicher Reim: Sonderform des erweiterten, zwei und mehr Silben umfassenden Reims, wo­   bei die reimende Silbe oder Wortgruppe leichte Veränderungen erfährt, vorletzte Takte ein­ bezogen, Konsonanten abweichend (häufig in oriental. Strophenformen wie Ghasel)

                                                                                                                            (Bürger, Leonore)

Und jedes Heer mit Sing und Sang,

Mit Paukenschlag und Kling und Klang,

Geschmückt mir grünen Reisern,

Zog heim nach seinen Häusern.

 

oder:

                                                                                                                 (Heine, Die Heimführung)

Ich geh nicht allein, mein feines Lieb,

Du mußt mit mir wandern

Nach der lieben, alten, schaurigen Klause,

In dem trüben, kalten, traurigen Hause.

 

oder (Doppelreim):

                                                               (C.Brentano, Das Märchen vom Schulmeister Klopfstock)

            Nun wird das Meer nicht mehr bitter sein,

            Auf stillerund wilder Flut

            Wirst du der seligste Ritter sein.

                                                                                                                     Goethe, Buch Suleika)

            In tausend Formen magst du dich verstecken,

            Doch, Allerliebste, gleich erkenn ich dich;

            Du magst mit Zauberschleiern dich bedecken,

            Allgegenwärtge, gleich erkenn ich dich,

 

            An der Zypresse reinstem, jungem Streben

            Allschöngewachsne, gleich erkenn ich dich,

            In des Kanales reinem Wellenleben,

            Allschmeichelhafte, wohl erkenn ich dich.

 

            Wenn steigend sich der Wasserstrahl entfaltet,

            Allspielende, wie froh erkenn ich dich;

            Wenn Wolke sich gestaltend umgestaltet,

            Allmannigfaltge, dort erkenn ich dich.

 

            An des geblümten Schleiers Wiesenteppich,

            Allbuntbesternte, schön erkenn ich dich,

            Und greift umher ein tausendarmger Eppich,

            O Allumklammernde, da kenn ich dich.

 

            Wenn am Gebirg der Morgen sich entzündet,

            Gleich, Allerheiternde, begrüß ich dich,

            Dann über mir der Himmel rein sich ründet,

            Allherzerweiternde, dann atm ich dich.

 

            Was ich mit äußerm Sinn, mit innerm kenne,

            Du Allbelehrende, kenn ich durch dich;

            Und wenn ich Allahs Namenhundert nenne,

            Mit jedem klingt ein Name nach für dich.

 

10. Reim nicht versbildend (hält Erinnerung an reimende Lyrik wach):

                                                                                                                                 (Rose Nyland)

 


Über uns hinweg

wird eine Liebe gehn.

Leise, fröhlich

und mit leichten Füßen

 

Sie, im blauen Kleid,

wird lachen müssen,

Er, verträumt, befangen,

wird es nicht verstehn.

 

 

Wird dem Lachen

sich entgegenstemmen,

wie ein Schiff.

Sie holt die Segel ein.

 

Zwischen ihnen wird

der Atem sein.

Und dann muß

man sich die Haare kämmen.

 

 

Und sie werden auf

den Brücken stehen.

Furchtlos klug.

Und er nun unbefangen.

 

Es ist gut. Wir sind

vorausgegangen

Über uns hinweg

Wird eine Liebe gehen.

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19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:16

11. besondere Formen des Reims:

 

11.1. Halbreim, unreiner Reim: Ach neige / Du Schmerzensreiche (Goethe); Jugend / su­      chend respektive Zweig / reich (Novalis); Auge / Hauche (George)

                                                                                                                                       (Volkslied)

Dort hoch auf jenem Berge

Da steht ein Mühlenrad,

Das mahlet nichts denn Liebe

Die Nacht bis an den Tag.

 

11.2. Assonanzen (im Beispiel auf u, durch alle Strophen):

                                                                                                                          (Heine, Akmansor)

In dem Dome zu Cordova

Stehen Säulen, dreizehnhundert,

Dreizehnhundert Riesensäulen

Tragen die gewalt’ge Kuppel.

Und auf Säulen, Kuppel, Wänden

Ziehn von oben sich bis unten

Des Konrans arab’sche Sprüche,

Klug und blumenhaft verschlungen.

Mohrenkön’ge bauten weiland

Dieses Haus zu Allahs Ruhme,

Doch hat vieles sich verwandelt

In der Zeiten dunklem Strudel.

 

11.3. rührende Reime (auch Konsonanten vor reimtragendem Vokal einander gleich):

nieman ne was ime gelîch:

sîn antlizze was zîrlîch.

 

11.4. identischer Reim:

                                                                                (Volkslied, Es blies ein Jäger wohl in sein Horn)

Deine großen Hunde, die fürcht’ ich nicht.

Sie kennen meine hohen, weiten Sprünge ja nicht.

 

oder:

                                                                                                                      (Goethe, Blumengruß)

Der Strauß, den ich gepflücket,

Grüße dich vieltausendmal!

Ich habe mich oft gebücket,

Ach, wohl ein tausendmal,

Und ihn ans Herz gedrücket

Wie hunderttausendmal.

 

oder:

                                                                                               (aus K.v.Holtei, Ein Wiener in Berlin)

            In Berlin, sagt er,

            mußt du sein, sagt er,

            Und gescheit, sagt er,

            Immer sein, sagt sagt er,

            Denn da habens, sagt er,

            Viel Verstand, sagt er,

            Und ich bin dort, sagt er,

            Schon bekannt, sagt er.

 

11.5. erweiterter Reim (mehr als zwei Silben):

                                                                                                                          (Keller, Im Schnee)

Wie naht das finster türmende

Gewölk so schwarz und schwer!

Wie jagt der Wind, der stürmende,

Das Schneegestöber her!

 

oder (häufig in Ghaselen):

                                                                                                    (Platen, Im Wasser wogt die Lilie)

Im Wasser wogt die Lilie, die blanke, hin und her,

Doch irrst du, Freund, sobald du sagst, sie schwanke hin und her!

Es wurzelt ja so fest ihr Fuß im tiefen Meeresgrund,

Ihr Haupt nur wiegt ein lieblicher Gedanke hin und her!

 

11.6. Schüttelreim:, Sonderform des Doppelreims (die den Gleichlaut einleitenden Konsonanten vertauscht):

                                                                                                                                            (Heine)

            Sie tragen Rotmäntelchen, lang und bauschig,

            Die Miene ist ehrlich, doch bang und lauschig.

                                                                                                                                           (Trojan)

Man sollte ihn nur auf Schächerbänken

Den Gästen in die Becher schenken


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19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:13

11.7. Waisen (reimlose Zeilen innerhalb eines Reimgefüges):

                                                                                                                         (Weerth, Lebewohl)

Noch einen Kuß, noch einen Druck der Hand!

Und fröhlich zieh ich dann von Land zu Land;

Laß einmal noch der schwarzen Locken Pracht

Im Winde wehn, noch einmal singe sacht

Das schönste mir von deinen schönen Liedern!

oder:

                                                                                                           (E.Möricke, Der Feuerreiter)

            Sehet ihr am Fensterlein

            Dort die rote Mütze wieder?

            Nicht geheuer muß es sein,

            Denn er geht schon auf und nieder.

            Und auf einmal welch Gewühle

            Bei der Brücke, nach dem Feld!

            Horch! Das Feuergköcklein gellt!

                        Hinterm Berg,

                        Hinterm Berg

            Brennt es in der Mühle!

 

11.8. Körner: Verse, die sich nicht innerhalb der gleichen Strophe, sondern mit bestimmter      Verszeile einer anderen Strophe reimen.

                                                                                                                                          (Goethe)

 


Feiger Gedanken

Bängliche Schwanken,

Weibisches Zagen,

Ängstliches Klagen

Wendet kein Elend,

Macht dich nicht frei.

 

Allen Gewalten

Zum Trotz sich erhalten,

Nimmer sich beuden,

Kräftig sich zeigen,

Rufet die Arme

Der Götter herbei!

 


 

11.9. Schlagreim (innerhalb einer Reihe 2 aufeinander folgende Wörter):

                                                                                                                         (Rilke, Der Panther)

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

So müd geworden, daß er nichts mehr hält.

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

Und hinter tausend Stäben keine Welt.

 

Sonderform Echoreim: ganze oder teilweise Wiederholung des letzten Wortes, eines als Frage            formulierten Verses

                                                                                                        (A.W.Schlegel, Waldgespräch)

            Hier bin ich einsam, keiner hört die Klage.   Klage!

                        Niemand vertrau’ ich mein verzagtes Stöhnen.   Tönen.

                        Soll ich stets ungeliebt der Spröden fröhnen?   höhnen.

                        Wie lang harr’ ich umsonst, daß es mir tage?   Tage

            Mich findet Gunst zu leicht auf ihrer Wage.   wage!

                        Wem liegt wohl dran, mein Leben zu verschönen?   Schönen.

                        So wird das holde Glück mich endlich krönen?   Krönen.

                        Wer gibt mir frohe Kund’ auf jede Frage?   frage!

            Was ist dein Thun dort in den Felsenhallen?   hallen.

                        Und was ist Schuld, daß du nur Laut geblieben?   lieben.

                        So fühlst du etwas bei Verliebter Schmerzen?   schmerzen.

            Glaubst du, dein Spiel könn’ irgend wem gefallen?   allen.

                        Wem wird es denn zu lieb mit uns getrieben?   Trieben.

                        Wer sehnt sich leeren Widerhall zu herzen? Herzen.

 

Sonderform nachhallender oder endschallender Reim: Gleichklang zweier oder mehrerer         Silben von der letzten Hebung an

                                                                                                                                    (Fr.Rückert)

            Die Ernt’ ist wie die Saat, drum, was ihr sät, seht!

            Ein Tor, wer früh versäumt hat, und zu spät späht,

            Wie wer den Braten wegwirft und das Bret brät.

            Wer nie dem Rater folgt, der was mißrät, rät,

            Und nie, was er gebaut, zerstört, der steht, stät,

            Auf dieser ird’schen Welt, die selbst nicht stät steht.

 

11.10. Binnen/Innenreim:

                                                                                                                            (Bürger, Leonore)

Und horch! Und horch! Der Pfortenring

Ging lose, leise klinglingling!

Komm’, schürze, spring’ und schwinge dich!

Und Liebchen schürzte, sprang und schwang

Sich auf das Roß behende

 

oder:

                                                                                                                                        (H.Heine)

            Eine starke schwarze Barke

            segelt trauervoll dahin

            Die verstummten und vermummten

            Leichenhüter sitzen drin.

 

Sonderformen:

 

a. Mittelreim: Reim im Inneren aufeinanderfolgender Verse

 

b. Mittenreim: Reim zwischen Versende und vorangehendem oder folgendem Vers;

 

c. Schlagreim: Gleichklang unmittelbar aufeinander folgender Wörter in einem Vers (s. unter    11.9)

 

d. Zäsurreim – Reim im Versinneren vor ener Zäsur

                                                                                                                         (Nibelungenstrophe)

            Uns ist in alten maeren     wunders vil geseit

            von helden lobebaeren,     von grôzer arebeit,

            von fröuden, hôchgezîten,     von weinen und von klagen,

            von küener recken strîten     muget ir nu wunder hoeren sagen.

 

oder:

                                                                                                                           (aus Snorra-Edda)

            Farar snarar fylkir byrjar,

            freka breka lemr á snekkjum.

            Vaka taka visat rekkar,

            (usw)

 

11.11. Augenreim = Reim zwischen orthographisch identischen, versch. ausgesprochenen       Worten:

            LogeWoge oder Frauchenrauchen

 

11.12. Schleppreim: identischer Reim hinter dem richtigen Reim (meist in Scherzgedichten)

            Ach komm hernieder, mache neu,

            Den Frühling wieder mache neu.

 

11.13. gebrochener Reim: Reimbildung durch eine Silbe im Wortinneren (in verstärkender,      oft humorvoller Absicht)

                                                                                                                                   (Hans Sachs)

            Hans Sachs war ein Schuh-

            macher und Poet dazu

 

oder:

                                                                                        (W. Busch, Abenteuer eines Junggesellen)

            Knarr – da öffnet sich die Tür,

            Wehe! Wer tritt da herfür?

            Madam Sauerbrod, die schein-

            Tot gewesen, tritt herein.

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19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:12

Lautreim

 

1. Alliteration (Stabreim): gleicher Anlaut (Klang) der Stammsilben (betonten Silben) auf­         einanderfolgender Wörter

                                                                                                                                    (Harsdörfer)

            Das Lernen ohne Lust / ist eine läre Last /

            Dann Lehre wird durch Geist und Lieb ein lieber Gast.

            Doch wird die List und Lust / nicht ohne Last gefaßt.

            Wie ist dann solcher Lust / und Liebe Last verhaßt?

            Das macht es / daß man lehrt die Lehr mit Überlast /

            Es ligt in solchem Stall / manch Laster in der Mast.

 

oder:

                                                                                                                                       (Hölderlin)

            … und möge droben / in Licht und Luft zerinnen mir Lieb und Leid.

 

oderr:

                                                                                                                                   (C.Brentano)

            Komm Kühle, komm küsse den Kummer, /

            süß säuselnd von sinnender Stirn …

 

2. Assonanz: vom Gleichklang der Selbstlaute getragener Reim, vokalischer Halbreim

                                                                                       (C.Brentano, Romanzen vom Rosenkranz)

            Schwarze Damen, schwarze Herren

            wandeln durch Bolognas Straßen.

            Werden sie zur Leiche gehen?

            Wen bringt man so spät zu Grabe?

           

            Doch kein Priester wird gesehen,

            Kreuz und Fahne nicht getragen.

            Alles strömet laut und rege,

            und die schnellen Wagen rasseln.

           

            Nicht zur Metten oder Vesper,

            Miserere, Salve, Ave,

            auch zu keiner Totenmesse:

            diese liest man nicht am Abend.

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19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:11

3. Verslehre

 

1. Deutscher und antiker Vers – Gegenüberstellung:

            Annähernd gilt: der deutsche Vers wägt (Betonung), der antike mißt (Länge)!

 

klassische Versform

deutsche Übertragung

Trochaeus

lang - kurz

Hebg. - Senkg.

Va – ter

Jambus

kurz - lang

Senkg. - Hebg.

Ge – bot

Dactylus

lang - kurz - kurz

Hebg. - Senkg. - Senkg.

Hei – li – ge

Anapaest

kurz - kurz - lang

Senkg. - Senkg. - Hebg.

Di – a – mant

Amphybrachis

kurz - lang - kurz

Senkg. - Hebg. - Senkg.

Ge – fil – de

Spondeus

lang - lang

(wie Trochaeus)

 

 

2. trochaeischer Vers: Vers ohne Auftakt, beginnt mit Länge bzw. Hebung

                                                                                                    (C.F.Meyer, Abendrot im Walde)

            In den Wald bin ich geflüchtet,

            Ein zu Tod gehetztes Wild

            Da die letzte Glut der Sonne

            Längs der glatten Stämme quillt.

           

            Keuchend lieg ich. Mir zu Seiten

            Blutet, siehe, Moos und Stein

            Strömt das Blut aus meinen Wunden –

            Oder ist’s der Abendschein?

 

3. jambischer Vers: Vers mit Auftakt, beginnt mit Kürze bzw. Senkung

                                                                                             (aus Schiller, Die Kraniche des Ibikus)

            Zum Kampf der Wagen und Gesänge,

            Der auf Korinthus’ Landesenge

            Der Griechen Stämme froh vereint,

            Zog Ibykus, der Götterfreund.

            Ihm schenkte des Gesanges Gabe,

            Der Lieder ßen Mund Apoll;

            So wandert er an leichtem Stabe

            Aus Rhegium, des Gottes voll.

 

4. Amphybrachis: die meisten deutscheb Verse mit regelmäßiger Senkung werden im            mündlichen Vortrag  als A. (nicht als Daktylus oder Anapäst) währgenommen:

                                                                                                                                          (Schiller)

            Sie nahen, sie kommen, die Himmlichen alle

 

oder;

                                                                                                          (C.F.Meyer, Chor der Toten)

            Wir Toten, wir Toten sind größere Heere

            Als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere!

            Wir pflügen das Feld mit geduldigen Taten,

            Ihr schwinget die Sichel und scheidet die Saaten

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19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:10

5. Hexámeter: ein Sechsfüßer (Sechsheber); gehört zu den trochäischen Versen; hat maximal             17, minimal 13 Silben; endet stets mit Kürze (Senkung), d. h. weiblich; die ersten vier   Füße können variieren; der fünfte und sechste sind verbindlich ein Dactylus respektive ein        Trochaeus!

griech./latein.

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deutsch

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                                                                                                                   (Ovid, Metamorphosen)

Aurea prima sat(a e)st aetas quae vindice nullo

 

6. Pentámeter: Name trügt, ebenfalls ein Sechsfüßer (Sechsheber); der 3. Fuß hat nur eine     Silbe, auf ihn folgt eine Zäsur (vor Zäsur: Anvers, danach: Abvers); hat maximal 14, mini­        mal 12 Silben; endet mit Länge (Hebung), d. h. männlich; die ersten beiden Füße des             Anverses können variieren

griech./latein.

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//

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deutsch

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7. Distichon: (gr.: Doppelvers) Hexameter und Pentameter im Wechsel.

                                                                                                                                          (Schiller)

Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,

im Pentameter drauf  //  fällt sie melodisch herab!


Spezielle Vers/Gedichtsformen:

 

1. Akrostichon, Mesostichon, Telestichon: der erste, ein mittlerer respektive der letzte       Buchstabe ergeben hinter/untereinander gelesen einen Sinn

 

2. Alexandriner: sechshebige Jambenzeile mit zäsur nach der dritten Hebung (in der Ro­          mantik auch als dreigeteilter A. mit Zäsur nach der vierten und achten Silbe)

                                                                                                            (Gryphius, aus einem Sonett)

            Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.

            Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;

            Wo itzund Städte stehn, wird eine Wiese sein;

            Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.

            Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden;

            Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;

            Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.

            Bald lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.

 

oder:

                                                                                                                             (Angelus Silesius)

            Was klagst du über Gott? Du selbst verdammest dich!

            Er möcht’ es ja nicht tun, das glaube sicherlich!

 

3. Ballade: (itak.-provenz. Tanzlied) in Frankr. (14./15. Jh) lyrische (Villon), in Engl. (18. Jh) eüisches Liede, ins Dtsch.übernommen, dem Stoff nach meist tragisches Heschehen, Form knapp, Aufbau dramatisch; Volksballade seit Bürger (Leonore), das bedeutendste Balladenwerk der Moderne – Brecht.

                                                                                                   (E.Möricke, Die traurige Krönung)

            Es war ein König Milesint,

            Von dem will ich euch sagen:

            Der meuchelte sein Bruderkind,

            Wollte selbst die Krone tragen.

            Die Krönung ward mit Prangen

            Auf Liffey-Schloß begangen.

            O Irland! Irland warest du so blind?

           

            Der König sitzt um Mitternacht

            Im leeren Marmorsaale,

            Sieht irr’ in all die neue Pracht,

            Wie trunken von dem Mahle;

            Er spricht zu seinem Sohne:

            ‘Noch einmal bring’ die Krone!

            Doch schau, wer hat die Pforten aufgemacht?’

           

            Da kommt ein seltsam Totenspiel,

            Ein Zug mit leeren Tritten,

            Vermummte Gäste groß und viel.

            Eine Krone schwankt inmitten;

            Es drängt sich durch die Pforte

            Mit Flüstern ohne Worte;

            Dem Könige, dem wird so geisterschwül.

           

            Und aus der schwarzen Menge blickt

            Ein Kind mit frischer Wunde,

            Es lächelt sterbensweh und nickt,

            Es macht im Saal die Runde,

            Es trippelt zu dem Throne,

            Es reichet eine Krone

            Dem Könige, des Herze tief erschrickt.

           

            Darauf der Zug von dannen strich,

            Von Morgenluft berauschet,

            Die Kerzen flackern wunderlich,

            Der Mond am Fenster lauschet;

            Der Sohn mit Angst und Schweigen

            Zum Vater tät sich neiden;

            Er neiget über eine Leiche sich.

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19. Juni 2008 4 19 /06 /Juni /2008 07:08

4. Blankvers: aus engl. blank verse (ungereimter Vers), fünfhebiger Jambus mit männl. od.   weibl. Endung (Shakespeare!), Beispiel:

                                                                                                                             (Lessing, Nathan)

            Es eifre jeder seiner unbestochenen,

            Von Vorurteilen freien Liebe nach!

            Es strebe jeder von euch um die Wette,

            Die Kraft des Steins in seinem Ring an Tag

            zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,

            Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,

            Mit innigster Ergebenheit in Gott

            Zu Hülf! Und wenn sich dann der Steine Kräfte

            Bei euren Kindes-Kindern äüßern:

            So …(usw)

 

5. brachy/hyperkatalektischer Vers: Vers, dessen Ende um einen Versfuß (2 Silben) ver­   kürzt resp. verlängert ist

 

6. Brechung (Enjambement): (E.: franz. Überschreitung) Überspringen von Satz und Sinn    über Vers- od. Strophenende (s.auch gebrochener Reim: Hans Sachs war ein Schuh-/)

                                                                                                   (St. Hermlin, Die Zeit der Wunder)

            Die Zeit der Wunder ist vorbei. Hinter den Ecken

            Versanken Bogenlampensonnen. Ungenau

            Gehen die Uhren, die mit ihrem Schlag uns schrecken

 

oder:

                                                                                                                             (Goethe, Mailied)

            So liebt die Lerche

            Gesang und Luft,

            Und Morgenblumen

            Den Himmelsduft,

                                                                                                                      )

            Wie ich auch liebe

            Mit warmem Blut,

            Die du mir Jugend

            Und Frevel und Mut

                                                                                                                      )

            Zu neuen Liedern

            Und Tänzen gibst.

            So ewig glücklich,

            Wie du mich liebst!

 

7. Dimeter: Vers aus zwei mehrmetrischen Einheiten (Versfüßen, Dipodien, jambischen oder             trochäischen)

                                                                                                                                          (Goethe)

            Das Wasser rauscht, / das Wasser schwoll

 

oder:

                                                                                                                                          (Goethe)

            Arm an Beutel, / krank am Herzen

 

oder:

                                                                                                                        (Schiller, Kassandra)

            Freude war in Trojas Hallen,

            Eh die hohe Feste fiel;

            Jubelhymnen hört man schallen

            in der Saiten goldnes Spiel;

            Alle Hände ruhen müde

            Von dem tränenvollen Streit,

            Weil der herrliche Pelide

            Priams schöne Tochter freit.

 

8. Distichon: als tragendes Element eines Gedichtes

                                                                                                         (aus Schiller, Der Spaziergang)

            Sei mir gegrüßt, mein Berg mit dem rötlich strahlenden Gipfel!

       Sei mir, Sonne, gegrüßt, die ihn so lieblich bescheint!

            Dich auch grüß ich, belebte Flur, euch, säuselnde Linden,

       Und den fröhlichen Chor, der auf den Ästen sich wiegt,

            Ruhige Bläue, dich auch, die unermeßlich sich ausgießt

       Um das braune Gebirg, über den grünenden Wald,

            Auch um mich, der, endlich entflohen des Zimmers Gefängnis

       Und dem engen Gespräch, freudig sich rettet zu dir.

 

            Wenn ich auch bei der Verbrennung, beim Leichenschmaus, schließlich intim noch

       in solenner Audienz ihm, dem Senator, gedanksagt,

            soll es ganz Rom doch erfahren, daß neben Bürgern und Adel

       gar ein Staatsmann höchstselbst huldvoll die Ehr’ uns erwiesen.

            Das verleiht ephemer Aureole den so Bedachten,

       einräumend zeitgleich Kredit, der profitabel zu nutzen,

            wie es ergeben hofiert senatorischem Edelmut, welcher,

       gnädig sich neigend dem Quell, förderlich meiner Karriere.

 

9. Diwan/Divan: Gedichtsammlung, meist eines bestimmten Dichters, wurde in D. zum fe­sten Begriff durch Goethes ‘West-östlichen D.’

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