Overblog
Folge diesem Blog Administration + Create my blog

Über Dieses Blog

  • : Der Friedrichshainer Autorenkreis
  • : Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
  • Kontakt

geprüft & gespeichert

 

germanist 

 

marbach Germanistik im Netz - Virtuelle Fachbibliothek Germanistik  

Gegen deutsche Kriege

1. Juni 2008 7 01 /06 /Juni /2008 05:31

3. Verslehre

 

1. Deutscher und antiker Vers – Gegenüberstellung:

            Annähernd gilt: der deutsche Vers wägt (Betonung), der antike mißt (Länge)!

 

klassische Versform

deutsche Übertragung

Trochaeus

lang - kurz

Hebg. - Senkg.

Va – ter

Jambus

kurz - lang

Senkg. - Hebg.

Ge – bot

Dactylus

lang - kurz - kurz

Hebg. - Senkg. - Senkg.

Hei – li – ge

Anapaest

kurz - kurz - lang

Senkg. - Senkg. - Hebg.

Di – a – mant

Amphybrachis

kurz - lang - kurz

Senkg. - Hebg. - Senkg.

Ge – fil – de

Spondeus

lang - lang

(wie Trochaeus)

 

 

2. trochaeischer Vers: Vers ohne Auftakt, beginnt mit Länge bzw. Hebung

                                                                                                    (C.F.Meyer, Abendrot im Walde)

            In den Wald bin ich geflüchtet,

            Ein zu Tod gehetztes Wild

            Da die letzte Glut der Sonne

            Längs der glatten Stämme quillt.

           

            Keuchend lieg ich. Mir zu Seiten

            Blutet, siehe, Moos und Stein

            Strömt das Blut aus meinen Wunden –

            Oder ist’s der Abendschein?

 

3. jambischer Vers: Vers mit Auftakt, beginnt mit Kürze bzw. Senkung

                                                                                             (aus Schiller, Die Kraniche des Ibikus)

            Zum Kampf der Wagen und Gesänge,

            Der auf Korinthus’ Landesenge

            Der Griechen Stämme froh vereint,

            Zog Ibykus, der Götterfreund.

            Ihm schenkte des Gesanges Gabe,

            Der Lieder ßen Mund Apoll;

            So wandert er an leichtem Stabe

            Aus Rhegium, des Gottes voll.

 

4. Amphybrachis: die meisten deutscheb Verse mit regelmäßiger Senkung werden im            mündlichen Vortrag  als A. (nicht als Daktylus oder Anapäst) währgenommen:

                                                                                                                                          (Schiller)

            Sie nahen, sie kommen, die Himmlichen alle

 

oder;

                                                                                                          (C.F.Meyer, Chor der Toten)

            Wir Toten, wir Toten sind größere Heere

            Als ihr auf der Erde, als ihr auf dem Meere!

            Wir pflügen das Feld mit geduldigen Taten,

            Ihr schwinget die Sichel und scheidet die Saaten

Diesen Post teilen
Repost0
31. Mai 2008 6 31 /05 /Mai /2008 06:29

so hohl
der baum
der erkenntnis
rissige borke
letzte alte zellen  

 

mühevoll
wandert wasser
aus edens boden

aufwärts
bis zu tauben blüten
ohne kuss

vom wind 

 

vergeblich
erwartet die schlange
reifende granatäpfel
für unsere
vertreibung

 

engel
lucifer
erfindet erst
die bienen

also dann adam
erkennen wir uns
drinnen
im warmen mulch

(Slov ant Gali)

Diesen Post teilen
Repost0
30. Mai 2008 5 30 /05 /Mai /2008 06:32
 (für B.)

 

Du gabst

dein Sandsteinherz

in meine Hände.

 

Voll Angst,

es fallenzulassen,

drückte ich es fest

an mich.

 

Körnig

zerrieselte es

zwischen den Fingern.

 

Leere Hände

suchen Sand

in den Augen.

 Slov ant Gali aus "Mit Blindenhund durchs Liebesland"
Diesen Post teilen
Repost0
29. Mai 2008 4 29 /05 /Mai /2008 06:30
...

ist gelb in Beijing

die Straßen

sind sauber –

 

gestern

haben sie einige

erschossen

 

Buddha lächelt

seine Mahlzeit ist ihm

gewiß

Ingrid Allstedt

Diesen Post teilen
Repost0
28. Mai 2008 3 28 /05 /Mai /2008 17:09
Alfama, Alfama
Der Brunnen läuft über
Die Himmel weinen
im Winter, in Nächten
wenn neu wird der Mond
Tropfen für Tropfen ergraut
an deinem Staub, Lisboa
der Tejo

Im Mai noch
hallt wider dein Pflaster
doch wenn Juni
und wie kurz ist der Juni
quirlt und sprudelt und wirbelt
in dir, Alfama
das Meer
Der Brunnen läuft über


Portugal im Mai 2008

Diesen Post teilen
Repost0
28. Mai 2008 3 28 /05 /Mai /2008 06:13

neben den mülltonnen
der fremde
streichelt den tag
den ihn vergreisenden
auf seiner violine
ein räudiger hund
jault ohne ton
vom wolf sein
ein freund zählt
geld im hut
abendrot dampft
aus der krempe


pack das orchester
aufs feld
wo die frische saat
erst ergrünt
babajaga gewährt
den wunsch
nach einem kleinen mädchen
auf dem schoß
weiter papa
bitte lösch nicht
das hexenfeuer
nichts auf der erde
als wasser
und musik
im baumhaus gespielt
zweta zwinkert zurück
luftschifftraum


zugluft
flötet
auf traumlos
leerer flasche

(181) wunderbares land

Diesen Post teilen
Repost0
27. Mai 2008 2 27 /05 /Mai /2008 06:09

Jetzt, in dieser Dämmerstunde,

Legt an der Himmel sein mönchisches

Graukleid und auf Dächern

Die Türkentauben gurren die Nacht ein.

 

Schwer legt Atem sich

Auf die erschöpfte Stadt. Weit geöffnet

Balkone und Fenster, letztes Aufjagen

Später Autos, verlassen

 

Winselt ein Hund, ein Kind schreit.

Mein Weg von der Bahnstation

Zum Haus, Schlüsselklirren,

Ein nachbarliches Wort von Fenster

 

Zu Fenster. Duft der Büsche,

Irgendein Star imitiert eine Amsel,

Hinter Gardinen Fernseherblau,

Der Briefkasten platzt aus den Nieten.

 

Nichts, was erwähnt werden müsste.

Du siehst mich an: Wie war der Tag?

Ich, stumm, leg meine Hand auf deine.

Du. Dass du da bist.

 

(H Fleiß)

Diesen Post teilen
Repost0
25. Mai 2008 7 25 /05 /Mai /2008 05:48

Lautreim

 

1. Alliteration (Stabreim): gleicher Anlaut (Klang) der Stammsilben (betonten Silben) auf­         einanderfolgender Wörter

                                                                                                                                    (Harsdörfer)

            Das Lernen ohne Lust / ist eine läre Last /

            Dann Lehre wird durch Geist und Lieb ein lieber Gast.

            Doch wird die List und Lust / nicht ohne Last gefaßt.

            Wie ist dann solcher Lust / und Liebe Last verhaßt?

            Das macht es / daß man lehrt die Lehr mit Überlast /

            Es ligt in solchem Stall / manch Laster in der Mast.

 

oder:

                                                                                                                                       (Hölderlin)

            … und möge droben / in Licht und Luft zerinnen mir Lieb und Leid.

 

oderr:

                                                                                                                                   (C.Brentano)

            Komm Kühle, komm küsse den Kummer, /

            süß säuselnd von sinnender Stirn …

 

2. Assonanz: vom Gleichklang der Selbstlaute getragener Reim, vokalischer Halbreim

                                                                                       (C.Brentano, Romanzen vom Rosenkranz)

            Schwarze Damen, schwarze Herren

            wandeln durch Bolognas Straßen.

            Werden sie zur Leiche gehen?

            Wen bringt man so spät zu Grabe?

           

            Doch kein Priester wird gesehen,

            Kreuz und Fahne nicht getragen.

            Alles strömet laut und rege,

            und die schnellen Wagen rasseln.

           

            Nicht zur Metten oder Vesper,

            Miserere, Salve, Ave,

            auch zu keiner Totenmesse:

            diese liest man nicht am Abend.

 

Diesen Post teilen
Repost0
24. Mai 2008 6 24 /05 /Mai /2008 06:22

(im Hof der Synagoge zu Budapest)

 

Ein Baum wie aus Tränen und Glas

Das Mahnmal des Holocaust ragt.

Jedes Blatt ein Zeugnis von Hass,

Jedes Blatt nach Sühne uns fragt.

 

Im Hofe der Synagoge

Die Blätter leis klingeln im Wind.

Ein Schauder wie eine Woge

Die rot über die Herzen rinnt.

 

Was Menschen durch Menschen litten

Weht schaurig vom Mahnmal uns an.

Die Namen der Toten blicken

Vom Baume wehklagend uns an.

 

 

Sigrid Fuchs-Mattmüller, „Little Pen“, V.: „Liebe denkt in süßen Tönen“ und „Das Gedicht“, Czernik Verlag

Diesen Post teilen
Repost0
22. Mai 2008 4 22 /05 /Mai /2008 06:06

Am Fenster der Straßenbahn

Eingekratzt

Diepgen vom Storch gebissen

Kastanien öffnen ihre Blüten

Steig mit mir aus

Kleine grüne Fliege

Scheiße

Liegt überall

 

 


(Ingrid Allstedt)
Diesen Post teilen
Repost0

Buttons

frisch gebloggt  Blogvisor - Toplist für Blogs und Blogverzeichnisse
 Listinus Toplisten 

Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Bloggeramt.de

 Listiger BloganzeigerBlogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

Blogverzeichnis test Blogverzeichnis
Add to Technorati FavoritesBlog Button
Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.deblog-o-rama.de Autorengruppen Top1000