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marbach Germanistik im Netz - Virtuelle Fachbibliothek Germanistik  

Gegen deutsche Kriege

25. Januar 2018 4 25 /01 /Januar /2018 14:29

In Kollektiven

 

Noch saß Glauby vorm Monitor. Er versuchte zögernd, die Finger von der Tastatur zu nehmen, den Blick abzuwenden.

Jene Kraft war stärker.

Noch bis zur gerade vergangenen Minute, dieser sinnlos für seinesgleichen erfundenen Zeiteinheit, hatte er geschrieben. Bewerbungen für eine neue Tätigkeit, Beschreibungen seiner bisherigen Einsatzorte und der eigenen Fähigkeiten.

Er wusste, er erfand eine Gestalt, die er nicht war. Er war doch nur die Kraft der Ideen der Anderen. Es trieb ihn von Kollektiv zu Kollektiv. Er ahnte, dass man ihn vermissen würde, bald nachdem er weg wäre. Wenn die Erfolge nachließen. Solange er irgendwo dabei war, gehörte er eben nur zum Kollektiv. Im günstigen Fall als Stichwortgeber, im ungünstigen nahm man ihn gar nicht wahr. Die Ergebnisse brachten die Anderen. Auf den Auszeichnungen standen deren Namen. Nein, der Name der Kollektive. Zu denen hatte er gehört. Manchmal musste er nicht einmal etwas sagen. Es reichte, ihn anzusehen. Plötzlich war klar, Holzweg oder Himmelsleiter.

Es klang beeindruckend, woran er schon alles beteiligt gewesen war.

Ihm wäre niemand eingefallen, der ihn nicht gemocht hätte. Wenn ein Kollektiv für seine kreativen Erfolge ausgezeichnet worden war, hatte der Rat auch ihm gratuliert, also auch ihm die Hände gedrückt. Die Kollegen gratulierten ihm sogar besonders herzlich. Mit diesem Händedruck beglückwünschten sie sich selbst am überzeugendsten.

Wann endlich wäre er er? Also einer mit Namen. Einer, der selbst etwas geschaffen hatte. Nicht nur einer, der dazu gehört hatte, wenn etwas geschaffen worden war?

Mathematisch gesehen gab es ihn nicht. Mathematisch gesehen war er ein Summand Null, der keine Summe veränderte. Vielleicht ein unsichtbarer Faktor? Eine Kommastelle nach der Eins?

Er wusste es nicht.

Er passte doch so gut in diese Zeit, in der es nicht darauf ankam, immer mehr und mehr und mehr zu erreichen. Seine Personalakte war ungewöhnlich dick. Man traute ihm als Neuem nichts zu, aber man konnte es erst einmal mit ihm probieren. Am Ende jeder Probezeit wurden die Kollegen befragt, wie der Neue so gewesen sei, ob sie ihn behalten wollten? … Ach der? Meinetwegen ja …

Hätte jemand es verfolgt, hätte er festgestellt, dass es mit allen Kollektiven, denen er gerade angehörte, aufwärts ging (und nur am Rande: wenn er nicht mehr dazugehörte, ging es wieder abwärts), aber wer verfolgte das schon.

Irgendwann begann es ihn zu ärgern.

Irgendwann suchte er immer schneller eine neue Aufgabe für sich. Er ahnte, dass er immer dieselbe Aufgabe löste, die anderen um ihn herum ein Stück besser zu machen. Aber allmählich wünschte er, irgendwer täte dasselbe mit ihm.

So saß er wieder einmal hier und schrieb.

Sein Blick war wieder einmal auf den Laptop gerichtet. Er begann auf ihn einzureden: „Na, du Dummer?! Sind wir nicht irgendwie wie Zwillinge? Du bist doch auch so ein Typ, durch den andere besser oder schlechter werden. Wie sieht´s aus, nimmst du mich in deine Schaltkreise auf?“

Als er das aus seinem eigenen Munde hörte, stieß er zunächst noch ein gekünsteltes Gelächter aus. Doch der Gedanke ließ ihn nicht los …

Wenn man dich hier findet, wird man dich wahrscheinlich verschrotten. Im besten Fall fände ein Bastler Verwendung für irgendein Einzelteil. Du Ärmster, da haben es die Computer im Institut besser.“

Fast zärtlich strich er mit der Hand über den oberen Rand des Monitors. Sorgfältig fuhr er seinen Laptop herunter.

Er verließ die Wohnung, das Haus, betrat sein Institut – hatte er eigentlich das Recht, von SEINEM Institut zu reden, wo er doch schon wieder auf der Suche nach einem neuen Kollektiv gewesen war? - grüßte die Kollegen der Nachtschicht. Niemand wunderte sich, dass er zu seinem Arbeitsplatz unterwegs war – es hätte sich auch niemand gewundert, wäre er nicht zu seinem Arbeitsplatz unterwegs gewesen – und dass von da an Licht brannte in seinen Zimmer.

Als am nächsten Tag die ersten Kollegen auftauchten, schalteten sie die künstliche Beleuchtung ab. Stimmen gingen hin und her.

Na? Sind eure Gewitterwolken abgezogen?“ Jane zog fragend die Augenbrauen in die Höhe. Maggy gab ein schnaubendes Geräusch von sich. „Hör bloß auf! Ich versteh es ja selbst nicht, warum ich immer noch bei dem Typen bleibe. Aber manchmal, da steht er mit seinen Hundeaugen an der Tür und ich kann nicht anders und lass ihn rein.“ „Sag´s doch ruhig: An der Schlafzimmertür steht er … Wuff!“ Jane lachte. Es war halt schwer, den Richtigen zu finden. „Soll ich dir eine Tasse Kaffee aus der Küche mitbringen?“ „Gerne!“

Der übliche Montagmorgen-Smalltalk eben.

Niemand wunderte sich sonderlich, dass Glauby nicht mehr da war.

Niemand wunderte sich darüber, dass das Kollektiv in den folgenden Jahren immer zu den erfolgreichsten des ganzen Planeten gehörte. Sie waren ja alles Spitzenkräfte in Wissenschaft und Technik, die hier zusammen arbeiteten.

Die Spitzenergebnisse endeten übrigens abrupt, als das Rechnersystem des Instituts durch ein neues, zehnmal so schnelles ersetzt wurde. Aber auch darüber wunderte sich niemand. Auch andere Kollektive waren eben gut ...

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28. November 2015 6 28 /11 /November /2015 07:45

manchmal schaut mir

der mond ins schlafzimmer

gelegentlich

die venus

all die sterne

die das astronomiebuch kennt

verstecken sich

vor den leuchtmitteln in den fenstern des blocks gegenüber

vor der straßenlaterne und

vor dem aufblenden des nachtverkehrs

orion

blitzt nur als

reizwäsche hervor

bei nebel

schau ich aufwärts

weiß um alpha centauris nähe

in nächten

die sternenklar geheißen

erwarte ich den rückbau

der menschen gegenüber

dann bin ich ganz

allein

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23. Oktober 2015 5 23 /10 /Oktober /2015 07:37

Der Pole, der den Spargel sticht,

würd sich an Mindestlohn berauschen,

dem Syrer, der dem Krieg entkam,

wär Arbeit überhaupt ein Glück.

Ich stech im Poesieland nach Gedichten

und manchmal find ich ein genießbar´ Stück.

Doch meistens bin im Lyrikland ich Sinto,

werd, wenn ich komme, fortgejagt.

Man lässt mir keine Mindestlöhnung.

Die Meute hetzt mich, ehe ich gefragt.

Ich färbe mein Gesicht mit Creme für schwarze Schuhe,

glaub nicht an Gott und hieße er Allah.

Wo ich erscheine, hab ich keine Ruhe,

bin überall und immer da.

Vielleicht liegt´s dran, ich finde keine Reime

für dieses Wort, das mich allein beschreibt.

Und manche zahlen gut aus braunen Kassen,

damit der Mensch Verdammter dieser Erde bleibt.

.

.

.

.

.

.

.

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25. September 2015 5 25 /09 /September /2015 07:00

Regentropfen bleiben

ungemalt

Ätzender Niederschlag

Retten könnten mich

Tropfen klaren Wassers

wasch dich

du bist so dreckig

Ich drehe mich weg

weine Salzwadis

in Krustenhaut

Wellen deines

Süßwasserwortsees vor Augen

verdurste ich

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13. September 2014 6 13 /09 /September /2014 07:13

An einem Weg, abseits der Straßen, wucherten schon seit vielen Jahren wilde Sträucher.

Im Frühjahr mischte sich das helle Grün der Blätter mit dem Weiß der Blüten. Im Sommer herrschten dunkle Grüntöne, die kaum einen Blick auf das Grau der Triebe zuließen.

Die Menschen, die gelegentlich den Weg entlangkamen, hatten längst den Namen der Sträucher vergessen, den sie selbst ihnen einst gegeben. Die Sträucher aber taten das, was sie seit Tausenden Jahren schon getan hatten: Sie hielten ihre Blätter ins Sonnenlicht und verschenkten Sauerstoff an die Luft.

Eines Tages jedoch drängelte sich ein langer nackter Trieb durch das dichte Strauchwerk. Es war ein einsamer Trieb, zum einen, weil er so lang und so kahl war, vor allem aber, weil an seinem Ende vier unglückliche dunkelrote Blättchen ins Licht züngelten. Die vier schämten sich.

„Wie sehen wir denn aus?“, rief eines von ihnen, „so eine seltsame Farbe zwischen all dem nützlichen Grün.“

„Jammere nicht“, antwortete das zweite Blatt. „Wir sehen zwar anders aus als alle anderen, aber wir sind genauso nützlich wie sie.“

Das Blatt, das zuerst gesprochen hatte, schaukelte zweifelnd im Wind hin und her. „Wer glaubt uns aber, dass auch unser Sauerstoff die Luft wertvoller macht? Es wäre ja unheimlich wenig.“

Es war der wärmste Tag in jenem Sommer und es hatte so lange schon nicht mehr geregnet, da fiel das Blatt, das da geklagt hatte, zu Boden.

Dann kam der Herbst und die vielen grünen Blätter um sie herum färbten sich goldgelb, sodass sie weithin in der Sonne leuchteten.

„Ach“, sprach da das dritte Rotblatt. „So ein wundervolles Gelb. Wir fallen schon wieder auf. Sieh nur, die Menschen zeigen mit dem Finger auf uns.“ Traurig rollte es sich zusammen.

Der Herbst wurde älter und der Wind spielte vergnügt mit den abfallenden Blättern. Schließlich holte er auch dieses eine dunkelrote Blättchen mit zu einem letzten Tanz.

Kalt wurde es. So wie sommerzeits das Grün geherrscht hatte, verschenkte die feuchte Luft nun strahlend weiße Kristalle.

„Wie nackt frieren wir zwischen den vielen Zweigen, die sich mit silbernen Glitzersternchen bedeckt haben,“ klagte da das dritte rote Blatt dem vierten. „Schon wieder stören wir.“

Und als an einem schönen klaren Tag Menscheneltern mit mit ihren Kindern auf Schlitten an der Winterstrauchwelt vorbeiliefen, hing nur noch ein einzelnes, jetzt wirklich vollkommen einsames dunkelrotes Blättchen an dem langen Trieb. Das Ärmste hatte nicht einmal mehr einen Kameraden, dem es klagen konnte, wie sehr es fror. Doch dann rief das Kind auf dem Schlitten: „Schaut mal“,und wies mit seinem kleinen Finger hinauf zu dem Strauch. „Ein dunkelrotes Blatt! Ist das nicht schön?“

Als das Blatt das hörte, glühte es vor Stolz noch ein bisschen kräftiger rot und fror einen Augenblick lang kein bisschen mehr. Wenn das seine drei Freunde hätten hören können!.

 

 

Dann kam der nächste Frühling und siehe: Durch das dichte Buschwerk drängten sich viele lange nackte Triebe mit wenigen dunkelroten Blättchen daran. Und im nächsten Winter leuchteten sie alle im Licht der tiefstehenden Sonne.

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1. Juni 2014 7 01 /06 /Juni /2014 06:33

 

die kinder saßen im zelt beisammen

alle welt hatte aufgehört

ihnen nachrichten zu schicken

alle spiele miteinander waren vergessen

sie sahen sich nicht an

hatten einander

nichts zu sagen

was nicht schon

tausend und einmal

gesimst worden wäre

 

eines schlug vor

spielen wir miteinander

 

das überlebende

verbuddelte auch das zelt

und lief

solange die kraft noch reichte

in die richtung in der es

 

den nächsten Mc Donalds vermutete

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31. Dezember 2013 2 31 /12 /Dezember /2013 10:22

 

Der Mond ist aufgegangen

Wie oft hab ich gehangen

im Traum am Eichenstumpf.

Der Wald steht schwarz und schweiget

und aus den Städten steiget

kein Lebenslaut, nicht hell, nicht dumpf.

 

Wie ist die Welt so stille,
da keines Menschen Wille
der Erde Ruhe stört!
Vergessen jeder Jammer
Es schlägt der Zeiten Hammer
Ruinen eben, ungehört.

 

Wir konnten nur mit Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen

Durch selbst gemachten Tod!
Wär einer doch gekommen,
hätt uns die Gier genommen,
wir teilten ehrlich Lieb und Brot!

So grab ich euch, ihr Brüder,

Ins Erdreich ein und wieder
ist kalt der Abendhauch.
Zu spät ist es für Strafen,
Ich werde ewig schlafen!
Und meine kranke Erde auch!  

 

Trotzdem ... oder erst recht:

 

Happy-New-Year.JPG

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20. Dezember 2013 5 20 /12 /Dezember /2013 10:09

Jeder Morgen immer wieder

bringt voll Angst den Spiegelblick.

Und dann senkst du deine Lider,

lauschst den Schmerzen im Genick.

 

Liebe Erde, lass dir sagen,

ich kann deine Schändung spürn,

Soll ich diese Menschen fragen, 

die dich in den Abgrund führn.

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14. Dezember 2013 6 14 /12 /Dezember /2013 18:44

 

Muss ich ein Posten der Bilanz sein?

Im Umsatzsteuervoranmeldungsformular?

Muss ich da mathematisch glatt und ganz sein?

Nach fünfzig Steuerjahren werd ich Jubilar?

 

An manchen Tagen möchte ich verschwinden,

mich jeder Zwangsbewertung still entwinden,

gesehen werden nur von Blinden

und hemmungslos mich kratzen an den Grinden.

 

Doch hat man meine Fehler längst gesichtet,

den Lebenstageszoll hab ich heut nicht entrichtet

und nicht vollbracht, wozu ich doch verpflichtet,

nicht gut malocht, ja nicht einmal gedichtet.

 

Wie gern ließ ich heut diese Erde Erde sein!

 

Ach könnt ich mich aus Raum und Zeit befrein!

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29. November 2013 5 29 /11 /November /2013 08:58

 

und da standen sie zusammen

jeder sagte

ICH

mach kunst

und sie haben sich beschrieben

jeder jedem seine welt

darin fehlte

ihnen fehlte

sprecht´s nicht aus das wörtchen

geld

 

und da standen sie beisammen

und ein jeder stand für sich

und wenn einmal sich ein blick traf

gab es lächeln

bitterlich

 

Und sie gingen auseinander

jeder seinen eignen weg

und sie glaubten sich verschworen

über alle ihre ohren

hoch verschuldet

kaum geduldet

auf dem schmalen

voller qualen

lebenslangen pilgerweg

 

also floh ich raus ins leben

konnt´ ja sein

das würd´ es auch noch geben

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