Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
Aufmüpfer überlegte: Was würde geschehen? Ein Künstler sollte wenigstens in die engere Wahl der Mädchen kommen. Also würden die meisten seine Zuschrift herausfischen und in den Buchhandlungen nach seinem Buch fragen. Es wäre nicht da, müsste – und würde – bestellt werden, und wenn dann die Bestellung eingetroffen war, erführen die Kandidatinnen, dass er mit Weib und zwei Kindern zusammen lebt. Aber dann war das Buch verkauft.
In ihrer Entrüstung verbreiteten sie am Ende weiter ungewollt seinen Ruhm in der Bekanntschaft. Brachten ihn ins Gespräch. Er brauchte sich nicht mehr zu melden. Und... Es traf ihn wie der Blitz: Das ging sogar mit den Männern!
Natürlich durfte er nicht „Liebe ...“, sondern musste „Lieber ...“ schreiben, und unten drunter musste er mit „In (vielleicht mal) Liebe R.“ unterschreiben, den Restbrief konnte er lassen.
Namen und Adressen für die Serienbriefe eingesetzt – schade, dass er sie nicht als Infopost abschicken konnte. Das hätte einfach zu unpersönlich gewirkt.
Die nächste Nummer der Zeitschrift erschien, ohne dass eine Reaktion von einem der Singlepartnerinnen und –partner im Briefkasten gelandet wäre. Der Verlag hatte sich zwar nicht bei ihm gemeldet wegen einer Neuauflage seines Buches, aber Aufmüpfer war sich sicher, dass seine Masche lief.
So wiederholte er das Spiel mit einiger Routine.
Er achtete nicht mehr penibel darauf, immer der erste am heimischen Briefkasten zu sein. Es würde schon nichts passieren.
Eigentlich schade, dachte er. Neben der Verkaufsmasche hatte er damit geliebäugelt, richtig scharfe weibliche Fanpost zu bekommen, solche, bei der es besser war, dass Rita sie nicht zu Gesicht bekam. Aber der Verkaufserfolg ging natürlich vor. Erfolg als Künstler macht sexy. So wartete er gelassen auf die folgende Monatsausgabe.
Rita, seine Frau, hatte sich anfangs über sein plötzliches Interesse an der Frauenzeitschrift gewundert, es aber schnell wieder vergessen. Auch Rolf dachte immer weniger an Post oder die nächste Zeitschrift. Seine Hoffnungen und sein Interesse erlahmten langsam.
Da klingelte es an der Haustür. Vor Aufmüpfer stand ein Mädchen, das er trotz seiner Überraschung sofort toll fand.
„Hallo, ich bin die Marion. Guck nicht so komisch! Du hast mir doch auf meine Singleanzeige geschrieben. Na, und nun bin ich zufällig hier in der Ecke. Da dachte ich, schaust einfach mal rein. Was ist denn? Willst du mich nicht rein lassen?“
Mechanisch gab Aufmüpfer die Haustür frei.
Marion – welche Marion eigentlich? – Marion also sah ihm in die Augen, als suche sie nach einem tiefen Versteck. Die führt sich auf wie ein leichtes Mädchen, schoss es ihm durch den Kopf.
„Komm doch rein. Wenn du schon so einen weiten Weg hinter dir hast, - du hast doch einen weiten Weg hinter dir? – dann wirst du einen Moment Zeit haben, bis der Kaffee fertig ist?“
„Ja, ja, mach nur.“