Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
Diese Bewerbungsakte! Meine: Ungekündigte Stellung. Studium in Minizeit, vier Jahre, Noten durchweg gut und besser. Zwei Kinder geboren nebenbei... Was wussten Westbanker damals von DDR-Frauenförderung?
Nichts. Zum Glück für meine Anstellung.
So wurde ich Banksuperfrau. Erschloss den wilden Osten. Enttäuschte nicht. Egal, wofür gerade Quoten festgelegt waren. Brachte sie. Vorzeigeossi an der Anlagefront. In unserer Bank kann selbst eine allein erziehende Mutter zweier Kinder groß herauskommen.
Nächster Chef, nächste Kollegen, nächste Umstrukturierung.
Natürlich darf das Kindererziehen die Arbeit nicht beeinträchtigen. Für Sie ist das doch aber kein Problem, Frau Martin, oder?
Natürlich nicht. Aus der netten Nachbarin wurde die Stundenhilfe, aus der Stundenhilfe die Kinderfrau, aus der Kinderfrau... Nein, bezahlt habe ich sie gut.
Und als Andre das Klassenziel der Dritten nicht erreichte... oder war `s die Vierte?... das habe ich doch gut hin bekommen: Wenigstens das halbe Zeugnis „2“ oder besser, dann gibt es ein Pferd geschenkt. Scheide ich aus, scheidet das Pferd aus.
Kein Grund zur Eifersucht für Luisa. Weswegen eigentlich? Ich war früher auch große Schwester, hab manchmal auf die jüngeren aufgepasst.
Verfluchte Angst!
Bei der Hypothek kann mich die Bank zum Hausverkauf zwingen. Was bleibt dann zum Festhalten von den ganzen Mühen? Außer dem Heim für meine Familie ohne Bernd? Wozu habe ich dann gelebt?
Dürfen sie mich einfach rausschmeißen? Ungeeignet für den Job? Für die Bank?
Eine mit Nervenschaden.
Ich kann nicht mehr. Will nicht mehr.
Will ich was?
Leben? Wie? Wovon?
Scheiss auf den Empfang im Schwarzen Adler! Hab nichts anzuziehen dafür. Müsste wieder 900 Euro ausgeben für Vorzeigegarderobe. Um ein Glas Sekt spendiert zu bekommen. Wegen meiner Verkaufserfolge.