Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
Großmutter, als Rita ihre Tochter wieder abgab, atmete auf. „Der Doktor hat Heidelinde eingeliefert, nach Wittenau. Hab nicht verstanden, was Heidelinde eigentlich hat, irgendso eine studierte Krankheit. Sonntag gehe ich ins Krankenhaus. Und du, Jo, kommst mit."
„Nein, ich will nicht ins Krankenhaus! Da sind auch Leichen, sagt Siggi. Die stinken so!"
„Rita!" Klara war empört. „Du warst doch nicht etwa ...? Dass du dem Kind das antun musst! Wo sie doch sowieso schon so zappelig ist. Steckst die Nase in jeden Mist. Hab ich dir nicht gesagt, du sollst einen Bogen um den Weddingplatz machen! Ich versteh dich nicht. Und ich hab hinterher die Sorgen."
„Was ist das, Oma – Sorgen?"
Klara schüttelte den Kopf. „Davon verstehst du noch nichts. Das ist was für Erwachsene. Erfährst du früh genug. Geh spielen, Jo, ich hab was mit deiner Mutter zu bereden. Der fehlt die starke Hand. Benimmt sich ..." Klara deutete mit einer unwirschen Handbewegung an, wie sich ihre Tochter benahm.
Nachts phantasierte das Kind, und morgens musste Klara wieder den Arzt holen, Jo fieberte
und hatte Kopfschmerzen.
Doktor Holstein horchte an Jos Brust. „Hat die Kleine irgendeine Aufregung gehabt?", fragte er. „Organisch ist nichts, ich kann nichts finden."
Klara log: „Nicht dass ich wüsste. Wird wohl noch vom Krieg sein, von den Bomben und dem Gehetze. Es rächt sich eben alles. Oder von der amerikanischen Spritze. Als ob ich nicht genug Sorgen hätte."
Jo hatte zugehört. „Es tut schon gar nicht mehr weh, Oma", flüsterte sie. „Ich will aber nicht ins Krankenhaus, zu den ollen Leichen."
Doktor Holstein lachte. „Richtig so, lass dir Zeit damit, kleines Fräulein. – Die Lunge ist ein bisschen schwach. Milch müsste sie trinken, Frau Neuss. Und Obst essen, viel Obst."
Klara nickte. „Nächstes Jahr, wenn wir im Park die Parzelle haben. Bis dahin muss es der Kamillentee tun, Herr Doktor." Den Rest ihrer Antwort schluckte sie höflich hinunter.