Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
Rolf war an jenem Tag noch vor seiner Frau daheim, denn sie musste bis zum späten Abend arbeiten. Als die Praktikantin am Montag der folgenden Woche wieder im Betrieb erschien, ergab sich kein Anlass, über die Künstlerprüfung weitere Worte zu verlieren. Marion Minas wäre die letzte gewesen, einen solchen zu suchen.
Rolf ging zum Friseur. Es mochte ja sein, dass seine grauen Strähnen beim ersten Mal interessant wirkten, aber ... entsetzt schoss es ihm durch den Kopf: Es war auch ein Zeichen dafür, dass er über zwanzig Jahre vor der Studentin ins Gras beißen würde. Irgendwann würde es sie stören, einen so alten Freund zu haben.
„Also, wenn Sie mich fragen, und Sie haben mich ja gefragt, dann würde ich Ihnen, auch wenn es fürs Geschäft nicht gut ist, zu einer Tönung raten, anstatt zu färben. Dann sieht man nicht gleich so die Übergänge.“
Die Friseuse redete unaufhörlich auf ihn ein. Er hörte längst nicht mehr zu. „Sehen Sie: Ist richtig natürlich wie schwarz. Die meisten wollen mir das einfach nicht glauben: Hellbraun ist viel dunkler auf dem Kopf als auf der Palette.“ Er nickte schon wieder, während die Friseuse auf ihn einredete, als hätte er ihr in irgendeiner Weise zu widersprechen gewagt.
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„Ich habe gleich gewusst, dass du ein Mann sein würdest. Gut siehst du aus, echt gut!“
Auf den Stufen vor der Eingangstür hatte ein schlanker junger Mann in der Vormittagssonne gesessen. Jetzt streckte er Aufmüpfer seine feingliedrige Hand entgegen.
„Nein, nein, gewusst habe ich nicht, dass du gleich wiederkommen würdest, aber geahnt. Und wenn ich mich geirrt hätte, hätte ich auch nichts verpasst: Hier kann man das Wetter viel besser genießen als in Hellersdorf.“
„Wer sind denn Sie?“ Rolf tat betont abweisend, obwohl er sicher war, mit wem er es zu tun hatte. Schon der Hüftschwung bei jedem Schritt – der Mann schien einen Hula-Reifen über der Taille halten zu müssen – lies keinen Zweifel.
„Mensch, ich bin doch der Marian, dem du auf die Anzeige geschrieben hast! Erinnerst du dich nicht mehr?“
Währenddessen waren die beiden in den Korridor getreten.
In Aufmüpfer arbeitete es fieberhaft. Erst überlegte er, wie er den warmen Bruder loswerden könnte – selbst der Händedruck war ihm schleimig – dann siegte das „berufliche“ Interesse: Zeit hatte er. Also saßen die beiden sich am Wohnzimmertisch gegenüber.