Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
Es war einer der Nachmittage ohne Vorlesungen oder Studienveranstaltungen, die Marion Minas hätte mitmachen müssen. Sie hätte also lernen können. Sie hätte aber auch Frank in ihrer Altbaubude haben können und dann keine Jeans an und etwas Anderes auch nicht, nur Frank hätte sie gehabt und Spaß bestimmt und eine unbändige Lust, sich begehren, beschreiben, berühren zu lassen wie ein Kaninchen so oft, doch viel viel länger. Sie hätte seine aufheizenden Worte in den Ohren gehabt und sich in die Zunge gebissen, damit Krauses Besenstiel nicht wieder den Putz von ihrer Wand klopfte.
Scheiß Wessi!
Hätte sie den Streit vermeiden sollen? Sie mochte nicht darüber nachdenken. Sie wusch sich die Hände, bespritzte ihr Gesicht mit kaltem Wasser und streckte dem Spiegelbild die Zunge heraus, während sie sich sorgfältig trockentupfte.
„Dann eben nicht.“
Mit einem Achselzucken holte sie die Tasche hervor. Für die Zwischenprüfung in Mathe würde der Streit bestimmt gut sein. Mit Frank zusammen blieb es nie lange beim ernsthaften Studieren. Ach, Frank... Es klingelte etwas verhalten.
Das hätte sie ihm nicht zugetraut, dass er sich entschuldigen kommen würde. Doch das Lächeln lag längst in der kleinsten Wangengrube, und sie keuchte wie nach einem 5000-Meter-Lauf, bereit sich in die Arme des hinter einem monströsen Blumenstrauß verborgenen Mannes zu stürzen.
„Dass du mich derart sehnsüchtig erwartet hast, hatte ich nicht erwartet.“
Rolf Aufmüpfer ließ seinen Strauß sinken so wie das Mädchen ihm gegenüber die Arme.
„Es scheint, der Empfang galt einem anderen, und ich komme ungelegen. Aber die Blumen nehmen Sie mir doch wenigstens ab, bevor ich wieder gehe.“
„Nein, nein, es ist nur...“
„Schon gut. War bloß so eine Idee von mir.“
„Na dann... Kommen Sie doch rein, wo Sie schon mal da sind. Einen Kaffee? Also wollen Sie einen Kaffee oder soll ich lieber die Blumen in die Kanne stellen?“
„Eigentlich bekommt mir Kaffee gar nicht. Aber wenn ich mich irgendwo hinsetzen könnte?“
„Oh, ja, entschuldigen Sie, ich mach gleich.“
Langsam fielen Überraschung und Enttäuschung von der Studentin ab. Sie kramte ihre Bücher zusammen, schmiss sie achtlos in eine Ecke und richtete sich innerlich auf. Dann eben so. Warum soll ein Künstler nicht können, wozu Frank heute sowieso nicht mehr kommen würde? Jetzt seine Frau anzurufen, ist Blödsinn, und wenn die Sache harmlos geblieben ist, konnte sie es ihr ja nachher erzählen.
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