Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
Plötzlich fiel ihr das Detektivspiel ein. Nackt wie sie war und halb abgeschminkt schlich sie zum alten Kleiderschrank. Und richtig. Der kleine Faden verband die beiden Türflügel nicht mehr. Es musste sich jemand an ihrem Schrank zu schaffen gemacht haben. Aber was sollte Anni hier suchen? Oder Mark? Und wie sollte sie das herausbekommen?
Während sie im Doppelbett einen Meter von Mark entfernt nicht einschlafen konnte, fiel ihr plötzlich eine vielleicht belanglose Bemerkung ihres Mannes ein: Alle Emanzipation hat ihre Grenzen. Wenn du an die Kleidung denkst, dann haben es die Frauen sogar besser als die Männer. Wer würde sich heutzutage darüber aufregen, wenn Mädchen oder Frauen Hosen oder was auch immer Männliches anziehen. Aber pack einen Mann in ein Kleid oder einen Rock – schon ist er ein Transvestit und nicht ganz dicht. Sie hatte ihm damals scherzhaft die Schotten vorgehalten, aber jetzt fiel ihr auf, wie ernsthaft er gesprochen hatte.
Meist war es Donnerstag, wenn Mark ihr die Schulterblätter massierte. Am nächsten Tag war Donnerstag. Anni war bei der Oma. Ihr Schulzeug hatte sie mit. Der Abend würde ein Massageabend. Doch bevor Mark hinter Linas Sessel treten konnte, stand sie schon hinter dem seinen. Verwundert schnurrte er unter dem Spiel ihrer Finger. Sie flüsterte, Heute machst du mal alles, was ich dir sage, ja? In ihrer Stimme musste etwas Ungewöhnliches gelegen haben. Mark antwortete nicht mit einem sonst üblichen Das-mache-ich-doch-immer, sondern nickte nur wortlos.
Komm mit in mein Zimmer! Mark folgte ihr, und er stand da wie eine griechische Statue, nachdem er sich wie gefordert nackt ausgezogen und in die Mitte des Raumes gestellt hatte. Und jetzt mach die Augen zu – und ja nicht aufmachen, bevor ich es dir erlaube! Nein, eigentlich sah er doch recht männlich aus. Sein Max war gerührt von dem erahnten Interesse. Als ob er mühsam gegen das ungewohnte Gewicht der ersten reifen Früchte ankämpfte, konnte sich der dicke Trieb am Baum nicht entscheiden, ob er gestreckt in die Ferne oder gedemütigt auf den Boden deuten sollte. Immerhin, überlegte Lina, ist er länger als meine ausgestreckte Hand und dicker als die zusammengepressten Finger einschließlich Daumen.