Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
Was weiß ich, wie lange ich die Bindehautentzündung schon mit mir herumgeschleppt hatte. Als ich die Verantwortung für die anderen los war, schlug sie zu. Meine Augen waren total verklebt.
Wie geht es Ihnen?
Eine Frau in Schwesterntracht beugte sich über mich.
Hier ist das Bahnhofshospital. Sie haben seit vorgestern Morgen geschlafen.
Sie reinigte mir mit einem Wattebausch die Augen.
Ich konnte wieder sehen. Das sei ein Wunder, bestätigte mir die Schwester, so, wie sie mich abgegeben hätten.
Dann kam der Schock.
Durch das Fenster starrte mich eine große Puppe an.
Es war keine Puppe. Es war eine Frau, die sie an die Oberleitung der Straßenbahn geknüpft hatten. Im Radio hatten sie den Tod des Führers gemeldet. Da habe diese Frau in aller Öffentlichkeit aufgeatmet und gesagt, Bei Gott, dann ist bald Frieden. Zweimal noch hat Gott den Strick reißen lassen, erklärte die Barmherzige Schwester. Früher hätte dies Begnadigung bedeutet.
Doch nun solle ich mir schnell etwas überziehen. Die Kranken würden abtransportiert. In Sicherheit. In ein kleines Lazarett im Westen. Rehna. Ich solle mich beeilen.
Ich bin rausgerannt. Schnell auf die noch saubere Toilette. Mein leerer Magen gab eine saure Brühe von sich. Lange ließ ich kaltes Wasser über mein glühendes Gesicht laufen.
Danke, Schwester, hier bin ich meinem Mann am nächsten, habe ich geantwortet. Ob sie nicht die Nachricht nach Wismar mitgeben könne, ich sei jetzt in Schwerin? Möglich, mein Mann sei dort. Jedenfalls vielleicht noch. Ich komme schon zurecht. Sie solle sich um mich keine Sorgen machen.
... Weiß ich nicht. Manchmal sehe ich die Gesichter vor mir, als wäre es gestern und ich höre sie sprechen und dann wieder ist mir, als wäre es ein selbst gemachter Film ... Spottet nur über eure alte Oma. Da kommt ihr auch noch hin. Aber ...