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Wurzeln (5/8)

Egal: Die Schwester senkte den Kopf. Ich muß los. Wenn Sie meiner Kusine Grüße bestellen würden? Die wohnt in einer Siedlung am Stadtrand. Sie brauchen nur zu sagen, Sie kämen von mir, dann finden Sie Unterschlupf und Frieden.

Meine Augen brannten, doch das Kleid am Körper war gewaschen, und inzwischen hatten Anwohner die Gehängte abgenommen.

Es war ein strahlend sonniger Frühlingstag, als ich das erste Mal unseren Wasserweg entlanggelaufen bin. Der Bahndamm roch vertraut nach verbranntem Gras. Wie er eben riecht, wenn das Vorjahresstroh in der Sonne trocknet und vorbeifahrende Züge Funken hineinschmeißen. Rasch ist alles schwarz. Ich kam mir zu Hause vor.

In meinem Bauch rumpelte es. Gerlinde wuchs dort seit Vatis letztem Fronturlaub. Hatte wohl Hunger.

Ich fand die Adresse auf Anhieb. Die Siedlung war während des ganzen Krieges von Luftangriffen verschont geblieben. Der Krieg war jetzt erst auf der Halbinsel angekommen. Der Anger war voller Notbaracken mit Kriegsgefangenen, die in Tag- und Nachtarbeit Stellungen bauten. Polen, Franzosen, Russen ... Um sie herum Jungs mit ersten Barthaaren. Für die ging das große Kriegsspiel los.

... Ja, schütte gleich zwei Löffel Zucker in die Tasse. Danke. ... Gundel war 22, einsam und verängstigt. Nach meinem Gruß hat sie mich wie eine wiedergefundene Schwester empfangen. Ihr Mann war auch im Krieg. Sie besorgte die Wirtschaft. Außerdem ihre hilflose kranke Mutter, einen Hund und zwei alte Gänse, die zu schlachten sich nicht mehr gelohnt hatte. Mit mir konnte sie den Abendstunden etwas sicherer entgegensehen.

Aus den Nachrichten zur Frontbegradigung im Volksempfänger ... na, dem Radio ... versuchten wir den aktuellen Stand der Frontlinie abzuschätzen. Schwerin war kein strategischer Ort. Sowohl Russen als auch Amerikaner hatten keine Eile, uns zu erreichen. Wir wünschten, die Amis kämen zuerst ...

Doch zuerst kläffte Nero.

Es war später Abend. Wie immer hatten wir abgedunkelt wegen der Bomber. Es war eigentlich Zeit zum Schlafengehen. Der altersschwache Köter kläffte richtig wütend.

Gundel flüsterte: Elfriede, da ist jemand im Garten ...

Und ich: Laß nur, was soll er schon holen? Und wenn, verhindern können wir es sowieso nicht. Hauptsache, er kommt nicht rein.

Das war wie eine Beschwörungsformel. Aber sie wirkte nicht. Es klopfte und kratzte weiter an der Hintertür. Welcher Einbrecher hätte das getan? Wenn der Kläffer endlich die Schnauze gehalten hätte! Wir taten, als wäre niemand da.

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