Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
Beim Fragebogen war ihm der Punkt „Bereitschaft zu Nacktaufnahmen“ aufgefallen. Er hatte selbstverständlich „Ja“ angekreuzt. Warum sollte er nicht als Reserve in Pornofilmen Geld verdienen. So ungefähr würde er schon wissen, wie dort die Handlung gespielt werden musste. „Nein, nein, das sind wirklich nur seriöse Agenturen“, betonte Ernie an dieser Stelle erneut, als hätte er Markus´ Gedanken erraten.
„... Und bei diesen sechs Agenturen musst du dich direkt bewerben. Das ist bei denen so üblich. Schick deine Fotos hin und mach so einen kleinen Begleitbrief, dass du dich als Statist bewirbst, Kleider- und Hutgröße und was dir so wichtig erscheint.“ „...Ja. Natürlich können wir noch je sechs Abzüge von den Negativen machen. Kosten zwei Euro das Stück und drei Euro das Zuschicken.“
Einer Filmkarriere stand nun fast nichts mehr im Wege. Drei Wochen nach dem angekündigten Versendetag hatte sich noch niemand bei Markus gemeldet. So griff er zu der Agenturliste, um zu testen, ob seine Fotos angekommen wären und zufällig eventuell gerade aktuell etwas im Angebot sei.
Allerdings standen nur bei 10 von 19 Agenturnamen Telefonnummern dabei, von denen bei einer sich die berühmte Stimme „Kein Anschluss unter dieser Nummer“ meldete, für drei Agenturnamen fand er in Telefonbüchern einen Eintrag, bei zweien meldete sich jemand. Diese beiden Jemands waren weiblich, wiegelten ab, dass Markus Blond wahrscheinlich in ihrer Kartei sei und sie meldeten sich schon, wenn sie ihn brauchten, im Moment allerdings ganz sicher nicht, und jeder weitere Anruf sei zwecklos.
Zwei Wochen später meldete sich Markus bei Ernie.
„Das verstehe ich aber nicht“, sang dessen Bariton in den Hörer, „dass ausgerechnet du noch keine Angebote haben solltest. Wo ich dich schon fast für die neue große Hoffnung des deutschen Films gehalten habe. Also da kümmere ich mich ganz persönlich drum. Ich versprech dir: In ein paar Tagen rennen sie dir die Bude ein. So was ist mir noch nie passiert. So was! Kannst mir glauben.“
Nach weiteren vier Wochen lag eine Karte in Markus´ Briefkasten. Der scheinbar völlig entnervte Ernie schrieb, dass er schon seit vier Tagen versucht hätte, jemanden zu erreichen und das dreimal am Tag, aber es hätte sich nicht einmal ein AB gemeldet. Er möchte dringend angerufen werden.