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Slov ant Gali: Eine wunde Stelle (7)

 

Der Morgen kam. Eigentlich Zeit zum Abschied nehmen.

Kaum, dass Galja ihre Nastja sah, presste sie sie an sich, als wäre sie ein Elektromagnet. Was sie redete war russisch. Michael stand mit herabhängenden Armen daneben. Wie viel Zeit mochte schon vergangen sein. Michael traute sich nicht einmal, auf die Uhr zu schauen, ob sie denn noch die S-Bahn schafften, die er herausgesucht hatte.

Endlich trafen Galjas und sein Blick aufeinander. „Ich kann nicht.“ Das klang sehr deutsch. Galja hatte sich sonst kaum bemüht, deutsche Wörter zu behalten. „I know I can trust you but… Ich kann nicht.“ Wortlos begleitete Michael die beiden zum Flughafen. Er hatte die Tickets „selbstverständlich“ bezahlt.

Während der Abfertigung klammerte Galja sich an Nastja fest, als erwartete sie jeden Moment, der deutsche Mann könnte ihr das Mädchen wirklich plötzlich entreißen. Eine Umarmung. Ein Kuss. Flüchtig wie ohne Nächte zuvor. Michaels Arme halb angewinkelt zwischen Winken und sinnlosem Baumeln. Glücklicherweise war Max nicht mit. Oder unglücklicherweise. Hätte er trösten können? Müssen?

In der S-Bahn heimwärts hatte Michael einen Fensterplatz. Gärten, Häuschen, grauer Himmel… verschwommen flogen sie an Michaels Augen vorbei. Einen Moment lang lächelte er. Er hatte sich nicht als Verlierer outen müssen. Er brauchte es nicht mehr zu tun.

Zu Hause angekommen folgte er dem Hauch eines vertraut gewordenen Parfums durch alle leeren Räume. Auf seinem Nachtschränkchen entdeckte er Galjas – oder sollte er sagen Nastjas? – Kamillencremedose. Er nahm sie in die Hand, drehte sie hin und her, ging in die Küche, öffnete den Abfalleimer, verharrte einen Moment und warf die Dose dann in den Müll. „Sie hat mir nicht vertraut“, sagte er halblaut, und durch den Kopf ging ihm „She didn´t trust in me.“


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