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Hanna Fleiss: 2. Mohrrübeneintopf

 

Der Mond stand über der Kellerstraße, neugierig blickte er in die Stube im ersten Stock. Sein fahles Auge fiel auf den Kleiderschrank, dann auf den Tisch, und jetzt musterte er Jo und die schlafende Klara in der einen Hälfte des Ehebetts. Jo, hinter dem breiten warmen Rücken der Großmutter, wagte sich nicht zu rühren. Der Mond kniff ein Auge zu und malte mit langen Armen schwarze Gespenster an die Zimmerdecke. Jo kroch unters Federbett. Klara murmelte etwas und zog das Bettdeck schlaftrunken auf ihre Seite.

„Mond, Mond, doofer Mond – bäh!" Jo, zugedeckt bis zur Nasenspitze, getraute sich nur zu flüstern. „Du wohnst hier nicht! Nur Oma, Tante Heidelinde in dem Bett neben uns – hör mal, wie sie schnarcht – und Siggi. Und ich. Ich bin stark! Und wenn Opa kommt, der ist noch stärker, der nagelt alle Fenster zu, und dann musst du auf der Straße schlafen – ätsch."

Beleidigt zog der Mond eine Schnute und machte sich langsam auf zur Kellerstraße zwölf, zu dem Berg Ruinenschutt neben Großmutters Haus.

Klara drehte sich auf die andere Seite. „Schlaf, Kind."

„Ich bin nicht müde. Der Mond, Oma. Kannst du ihn nicht rausschmeißen?"

„Kind, jetzt ist Schlafenszeit. Was redest du da? Mach nicht so viele Fisimatenten, sonst gibt es was hinter die Löffel. Und mach mir Tante Heidelinde nicht wach!" Klara zog die Enkelin an sich. „Schlaf jetzt", flüsterte sie streng.

 

 

 

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