Donnerstag, 19. juni 2008 4 19 06 2008 05:06

17. Monodistichon: (Einzeldistichon) häufig als Epigramm

                                                                                                                             (Angelus Silesius)

            Ich weiß nicht, was ich bin; ich bin nicht,was ich weiß:

            Ein ding und nit ein ding, ein stüpffchin und ein Kreiß.

 

18. Ode: s. unter Elegie (Special zu Elegie und Ode)

 

19. Sapphische Strophe: vierzeilige, aus 3 sapphischen Elfsilblern (Hendekasyllabus) und     einem Adoneus bestehende Strophe (s. unter Elegie)

                                                                                               (Weinheber, Die sapphische Strophe)

            Edle Fügung, adliger Frühzeit Schwester,

            wo das Herz noch Herz war; dem Ursprung nahe

            als ein sprechbar Nächstes: bewahrte je denn

            besser der Mensch sein.

           

            Letztes Schicksal? Nannte, was nottut, sagt’ es

            schicklich? Tierhaft unterzugehn ist nichts, und

            fern nur rührt, weil sprachlos, das anders schöne

            Sterben der Blume.

 

20. Sonett: 14, meist 5füßige jambische Verszeilen mit weiblichem Ausgang, die sich span­     nungsvoll in einen Aufgesang von 2 vierzeiligen Quartetten und einen Abgesang von 2           dreizeiligen Terzetten teilen, Reimschema: abba abba cdc dcd (mit Variationen: cdc cdc,        cdd, cdc etc.)

                                                                                                             (A.W.Schlegel, Das Sonett)

            Zwei Reime heiß ich viermal kehren wieder,

            Und stelle sie, geteilt, in gleiche Reihen,

            Daß hier und dort zwei eingefaßt von zweien

            Im Doppelchore schweben auf und nieder.

 

            Dann schling des Gleichlauts Kette durch zwei Glieder

            Sich freier wechselnd, jegliches von dreien.

            In solcher Ordnung, solcher Zahl gedeihen

            Die zartesten und stolzesten der Lieder.

 

            Werd ich nie mit meinen Zeilen kränzen.

            Dem eitle Spielerei mein Wesen dünket,

            Und Eigensinn die künstlichen Gesetze.

 

            Doch, wem in mir geheimer Zauber winket,

            Dem leih ich Hoheit, Füll in engen Grenzen,

            Und reines Ebenmaß der Gegensätze.

 

Sonderform Shakespeare-, oder englisches Sonett: Sonderform des (petrarkischen) Sonetts,        14 Zeilen jambischer Pentameter in 3 Quatrains und ein anschließendes Couplet unterteilt

                                                                           (Shakespeare, Sonett XVII, übers. R.A.Schröder)

            Vergleich ich dich mit einem Sommertag?

            So lind wie du, so lieblich dünkt er kaum.

            Der Wind verstreut die Blust im Maienhag:

            Des Sommers Reich hat gar zu schmalen Raum.

 

            Oft scheint das Aug des Sommers allzu warm,

            Oft blickt sein golden Antlitz trüb und fahl;

            All reiche Schönheit wird an Schönheit arm,

            Wenn ihren Schmuck Natur und Zufall stahl.

 

            Dein ewig Sommerlicht wird nie ermatten,

            Verliert die Schönheit nie, die dein ist heut,

            Nie rühmt der Tod, du wohnst in seinem Schatten:

            Dein Lob soll grünen endlos wie die Zeit.

 

            So lang ein Mensch noch atmet, Aug noch sieht,

            Wird leben, was dich leben macht: mein Lied.

 

21. Sonettenkranz: Folge von 15 Sonetten, wobei die Schlußzeile einer Strophe die An­        fangszeile der folgenden und die Schlußzeile des 14. Sonetts der Anfangszeile des erste       entspricht und die 14 Anfangszeilen als 15. Sonett (Meistersonett), in der Reihenfolge ihres           Vorkommens.

 

22. Stanze: im Deutschen acht Zeilen, meist aus jambischen Fünfhebern bei strenger Reim­      bindung und wechselndem  männlichen und weiblichen Verschluß

                                                                                                                       (Goethe, Faust I,V,1)

            Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,

            Die früh sich einst dem trübem Blick gezeigt.

            Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?

            Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?

            Ihr drängt euch zu! nun gut, so mögt ihr walten,

            Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;

            Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert

            Vom Zauberhauch, der euren Zug umwittert.

 

23. Strophensprung: Enjambement, das über ein Strophenende hinaus in die nächste Stro­     phe übergreift (häufig bei Rilke), s. unter Brechung

 

24. Terzine: dreizeilige Strophenform, deren Zeilengruppen durch übergreifenden Reim nach dem Schema aba/bcb/cdc/ded … zusammengefaßt werden, wobei der abschließende Vers    den Mittelreim der letzten Terzine aufgreift (xyx/yzyz)

                                                                                                                                      (Chamisso)

            Salas y Gomez raget aus den Fluten

                        Des stillen Meers, ein Felsen kahl und bloß,

                        Verbrannt von scheitelrechter Sonne Gluten.

 

            Ein Steingestell ohn alles Gras und Moos,

                        Das sich das Volk der Vögel auserkor

                        Als Ruhstatt im bewegten Meeresschooß

 

            Es dient der Stein, worauf er litt dem Toten

                        Zur Ruhestätte wie zum Monumente,

                        Und Friede sei dir, Schmerzenssohn, entboten!

 

            Die Hülle gibst du hin dem Elemente;

                        Allmählich strahlend über dir entzünden

                        Des Kreuzes Sterne sich am Firmamente,

^          Und was du littest, wird dein Lied verkünden.

 

25. Trimeter: jeder antike Vers aus drei Metren, besonder sechsfüßiger Jambus mit Zäsur     nach 2. oder 4. Hebung, in der 2. Hälfte des 18. Jh. vom Blankvers abgelöst

                                                                                                                             (Gorthe, Faust II)

            Bewundert viel und viel gescholten, Helena,

            Vom Strande komm ich, wo wir erst gelandet sind,

            Noch immer trunken von des Gewoges regsamem

            Geschaukel, das vom phrygischen Blachgefild uns her

            Auf sträubig-hohem Rücken durch Poseidons Gunst

            Und Europs’ Kraft in vaterländische Buchten trug.

von fak - veröffentlicht in: Hallner, Alois - Community: Sprache ist Macht!
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