Vorstellung der Autorengruppe, Schreibaktivitäten, Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation zwischen Schreibenden
Wieder flog der Herbst ins Land, mit fallenden Blättern, launischen Winden, die durch die Ruinen pfiffen, lauen Altweibersommer- und kühlen Regentagen. Der neue Pappi war aufgeregt: Jo wurde eingeschult. Ein zweites Mal, diesmal aber richtig, mit Schultüte....
Der Alte sitzt und denkt an seine Frau und sein Gesicht, das Haar und auch sein Anorak sind grau und hat kein Geld für Trudes letzten Gang und plötzlich hört er Omas Grabgesang. Er sieht die Frau nicht, die am Tisch dort sitzt und hofft, daß Trudchen...
DER FIEDELRUSSE Der russe sieht seinem großvater ähnlich ein mädchennasiger hüne fähnrich Die hand zieht den umriß von dessen konturen die zunge formt worte auf dessen spuren Er rettet die bücher die edelholzstühle er rettet vor allem die alten gefühle...
In einem land vor gewerkschaft und lohn einem land mit eisenormierung in so einer zone Pedro erlebt der mensch seine wiedervertierung Da bist du kein einziger Pietro mehr da korrt man dich hin in partien Du bist an den subunternehmer verkauft und an das...
Heupferdchenzeit, Blaue Zeit. Als die Linden, Die schönen Linden, sich bogen Am Rande der Straße Unter der Last der Düfte. Als Der weiße Mond Honig trank. Die Stadt lebte Ihren Tag, mit grauer Stirn, ein Ach In den Hallen der Bahnhöfe. Und kein Himmel...
Die letzte Untersuchung beim Arzt. „Gratuliere", sagte er, „du bist wieder völlig gesund. Aber um den Lebertran, junges Fräulein, um den kommst du nicht herum. Wir geben dir eine Flasche mit." Er lachte gutmütig. Es ging ans Kofferpacken. Die Schwestern...
Schreib mir einmal ein Gedicht, das von den Reimen lebt, das, wenn es bitter schmeckt, nicht vor Süße auch klebt, Überraschungen birgt, nichts was erschreckt, Freude und Neugier erweckt. Laß uns im Himmelblau die Sonne scheinen, oder beide im Mondlicht...
I . Gaza Gitter aus Der eisernen Seele Zerschossener Häuser Wahrheit? Weichsel Warschau Wieder ein Winter 45 Im Frühjahr 2010? II. Gaben Güter und Grüße Essen und Beton Den Seelen Körper zu geben Den Körpern neue Kraft Dem Stahl wieder Halt Der Schiffsbauch...
Der Sommer war ein bisschen verregnet. Trotzdem, in den Gärten am Nordhafen reifte es, und wenn die Parzellenbesitzer schlau waren, konnten sie sogar selbst ernten. Dieses Jahr hatte die Großmutter mehr Glück mit den Tomaten, Mohrrüben gab es und richtige...
Marmorklippen die falben Farben darin Spuren des Sickerwassers Der Fischer fürchtet selbst Flüsterworte verdürben den Fang Den Peters-Fisch erjage stumm Fischfangflotten schwimmende Fabriken Kolosse aus Stahl Ketten gehen über Korallen zermalmen den Grund...
Der Winter verging mit Spritzen, Lebertran und Stürmen vor den Fenstern. Die Nordsee kam mit großen Wellen, sie spritzten die Fensterscheiben voll. Doch eines Tages schien wieder die Sonne, der Sturm war zu anderen Meeren weitergezogen. „Alles die Mäntel...
Der Park am Nordhafen war kein Park mehr, dort gab es jetzt Gärten. Keine Gärten, wie sie ein Herrschaftsgärtner sich vorstellt, mit Oleander- und Rosenbüschen, tiefsattem Rasen und gepflegtem Eisengitter drumherum. Nein, die Gärten am Nordhafen gehörten...
Du hast mich aufgebrochen so warm und weich so unendlich, als mein Leben lange schon abgebrochen worden war. Ich werde wohl auch morgen noch nicht zerbrochen sein und brech’ doch täglich. Wir sind gefesselt aneinander warm und weich und so unendlich endlich...
Schlaflied G./U. Als du mich anriefst vor Tagen, sauste mein Hirn zwischen meine Schenkel. Tief hängen die Wolken über’m See. Der Mohn steht zwei Ellen hoch im Feld. Im Bauch des Bootes zum Schlafe gewiegt, nachdem wir endlich nicht nur das Wasser aufgewühlt...
Zwar hab ich bei Schwangrenbauchoffensichtlichkeit ein Stück ihr die Unschuld genommen. Gegen Stachel des Zweifels blieb sie trotzdem gefeit - im Geist war sie eine der Frommen: Sie sagte, die Welt ist halt so wie sie ist, und schwer ist die Last, die...
Es ist immer ein Ereignis, wenn durch die Arbeit, die durch eine gute Gemeinschaft wie unseren Friedrichshainer Autorenkreis ja wesentlich geprägt wurde, ein Buch entstanden ist. Wirklich absolut nicht alltäglich ist aber, wenn gleich zwei Bücher entstanden,...
Es war ein Junge. Die Mutter hielt das Baby im Arm und zeigte es Jo: „Sieh mal, wie hübsch er ist." Jo schluckte. Jetzt war das Baby da. „Aber was ist denn das für ein Horn am Kopf?" „Das?" Die Mutter fuhr liebkosend mit der Hand über das Babyköpfchen....
„Im Herbst kriegst du noch ein Schwesterchen. Oder ein Brüderchen", sagte die Mutter. „Im November." „Noch so einen Schreihals, mit dem ich nichts anfangen kann? Und ich bin froh, dass Veronika schon spricht und dass ich mit ihr spazierengehen kann. Alles...
Aus Allerweltswinkeln Der Mai. Flieder, woher dein Violett? Schwalben auf dem Weg. Und der Ahorn steht im Grün. In der Wölbung des Himmels Licht. Menschen mit Blumen am Hut. Geborgte Träume Bis unter die Stirn. Jemand wirft In die Gosse Ein Liebesgelüst....
In den Ruhestunden der Reise immer nur kurz überm Gletschergipfel leuchtete der Liebesstern Dort weiß ich mein Wünschen [1] Nach Grönland ginge es zum Eisbärweiß und klarem Frost nach Süden zum kalten Regenwald und heißen Feuern um Kap Horn Könnt nicht...
Ich werde wieder geboren wenn mich die Sonne holt ziehe ich als Wolke die Berge hinauf weine am Gipfel dann kehr ich wieder als Bach kühl in den Tälern geschmeidig an Mädchenfüßen geschwätzig mit Mühlen helfe Gräsern, den Tieren und dir den Durst zu löschen...
und da standen sie zusammen jeder sagte ICH mach kunst und sie haben sich beschrieben jeder jedem seine welt darin fehlte ihnen fehlte sprecht´s nicht aus das wörtchen geld und da standen sie beisammen und ein jeder stand für sich und wenn einmal sich...
wenn du schreist dann schreie leise leise schreien das ist weise wenn du rennst dann langsam bitte langsam möglichst in der mitte wenn du abhebst nah am boden dann verkneif dir schrille moden ecke niemals böse an sei nicht frau und sei nicht mann führe...
Die späte Schwalbe und die frühe Fledermaus plauschen mit den Pferden hier am Haus die wachen am Giebel über Wohlsein und Übel nur wiehern können sie nicht. Rosen und Düne sind mein Gedicht gehüllt in die Seide der Nacht Leise rauscht der See und lacht:...
Noch im August flimmert mein Herz Vence –re – mos, Vence – re - mos bellt im September Stakkato wie Maschinengewehre die Moneda wird bom bar diert Ich sehe Blut fließen aus den Tälern der Anden spüre das Würgen am Hals der Mapuche höre das unvollendete...