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Brechende Zeit


Einst glaubte ich

über die Bäume herrschen zu können und

verbot ihnen zu blühen.

Doch sie folgten mir nicht und

ich schnitt ihnen allen

die Zweige ab.

Wie Hände ragten kahle Bäume aus der Erde,

Hände, die nichts mehr tragen können und

nur noch warnen.

Als dann

Vögel keine Nischen fanden,

Käfer keine Blüten fanden,

Würmer keine Früchte fanden,

sammelten sie Gräser, Halme, Moos, Blumen

und schmückten ihre Bäume bis

diese eins wurden und

ihre Scham verloren.

Ich ließ es regnen,

ich ließ es so lange regnen,

bis alle Flügel verklebten

bis alle Vögel verstummten

bis alle Blumen vergingen

und aus den Baumrinden Wasser tropfte.

Ein Moor begrub alles bis

aus verwester, stinkender Erde

Keime sprossen.

Da ließ ich die Sonne brennen,

ich ließ sie so lange brennen,

bis die Erde verdorrte

und alle Farben vergingen.

Als aus trockener, rissiger Erde

Eidechsen krochen und Sträucher wuchsen

ließ ich den Wind über die Erde stürmen

bis nichts mehr dort lag, wo es einst war.

Alle Samen waren verstreut und -

da begriff ich,

wenn es Zeit wird, dass

der Frühling die Kälte vertreibt und

Wiesen ihre Farbenpracht entfalten, damit

Kinder ihre Decken darauf ausbreiten während

Käfer Melodien summen und der Wind blütenbehangene Zweige wiegt

bin ich

ohne Macht.


Ludmilla Khodai,
September 2007 
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